Wort zur Woche
Die andere Seite der Medaille

Sabine Kuschel, Theologin, Dresden

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Sacharja 4, Vers 6

Was hier nicht durch Heer oder Kraft geschehen soll, darüber gibt der Kontext, in dem dieser Bibelvers steht, Auskunft. Es geht um den Wiederaufbau des zerstörten Tempels in Jerusalem. Wie wir wissen, hat sich die Verheißung um 515 v. Chr. erfüllt.
Sollte dieses an jüdische Adressaten gerichtete Wort für uns Christen im 21. Jahrhundert Gültigkeit haben? In Bezug auf Frömmigkeit, Glauben, Spiritualität?
In unserer Kirche beschäftigen uns seit Jahren die sinkenden Mitgliederzahlen. Ein Umstand, der in den Gemeinden eine Strukturveränderung nach der anderen bedingt. Erst vor wenigen Wochen wurde wieder das Ergebnis einer von den Kirchen in Auftrag gegebenen Studie bekannt gegeben, nach der die Mitgliedschaft bis 2040 um die Hälfte zurückgehe.
Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dass diese Entwicklung mit Zwang oder Druck aufzuhalten sei. Aber mit Kraft und Anstrengung schon! Wenn es in den Gemeinden oder anderen Gremien um die kleiner werdende Kirche geht, ist oft zu hören: Wir müssen zu den Leuten gehen, … die Jugend ansprechen, … die Schwellen niedrig halten, … auf die Digitalisierung reagieren und so weiter. Wir müssen, wir müssen …, wir sollten …
Natürlich sind Überlegungen, wie Menschen für den Glauben gewonnen werden können, angebracht, sinnvoll und wünschenswert. Und doch schlägt die biblische Verheißung einen anderen Ton an. Sie entspricht nicht unbedingt unserer Lebenswirklichkeit. Sie wendet sozusagen die Medaille und legt die andere Seite nach oben, auf der nicht das menschliche Vermögen steht, sondern das Wirken Gottes. Diese Seite wahrzunehmen, kann heilsam für uns sein. Denn wir sind viel zu sehr auf die eigene Leistung orientiert. Oft sogar von dem Wunsch besessen, die Welt retten zu wollen.
Aber aus menschlicher Kraft ist das nicht zu bewerkstelligen. Insofern ist das Bibelwort ein Versprechen. Es behält Gültigkeit für alle Zeiten und alle Lebensbereiche.

Sabine Kuschel, Theologin, Dresden Wort zur Woche

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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