Predigttext zum Sonntag
Der Populist

Martin Olejnicki, Kreisjugendpfarrer in Köthen
  • Martin Olejnicki, Kreisjugendpfarrer in Köthen
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  • hochgeladen von Mirjam Petermann

Und ihn lieben von ganzem Herzen … und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

Markus 12, Vers 33

Er gibt einfache Antworten auf komplizierte Fragen. So wird eine Person gemeinhin charakterisiert, die populistisch argumentiert. Und wer heute als Populist bezeichnet wird, fasst dies wohl eher selten als Kompliment auf.
Wenn ich Populismus allerdings so definiere, müsste ich wohl auch Jesus an dieser Stelle einen gewissen Populismus unterstellen. Die Art, wie er antwortet, legt das zumindest nahe. Denn auf die Frage nach dem höchsten Gebot hätte er vielleicht besser erstmal differenzieren müssen. Er hätte auf die Fülle der Gebote der Thora hinweisen oder die viel zu allgemein gestellte Frage ablehnen können.
Jesus ist nun aber ein Mensch der klaren Worte. Jemand, der, wenn es wichtig wird, nicht ins Schwafeln kommt, sondern klar Position bezieht. Das ist eine Handlungsweise, die für mich heute nur schwer durchzuhalten ist, vielleicht auch, weil ich sonst schnell in die eine oder andere politische Schublade gesteckt werde.
Bei genauerer Betrachtung ist die Antwort Jesu auch alles andere als einfach. Zumindest in der Anwendung wirft sie nicht unerhebliche Schwierigkeiten auf. Und doch hat Jesus in dieser Antwort eigentlich alles Wesentliche zusammengefasst. Im Zentrum steht die Liebe als Grundlage jeder Beziehung. Zwischen Gott und Mensch, aber auch zwischen Mensch und Mensch. Und das macht Jesus für mich zu einem Liebes-Populisten.
Die Frage nach dem höchsten Gebot, die ihm gestellt wird, muss für uns heute übertragen werden, damit sie auf der Straße überhaupt verstanden wird. Vielleicht könnte die Frage heute lauten: Wie kann ich – oder noch besser: wie können wir – gut leben?
Die Antwort Jesu auf diese Frage wäre aber dieselbe. Wenn ich Gott liebe, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all meiner Kraft – also wirklich liebe, dann gestalte ich mein Leben anders, als wenn ich von ihm nichts wissen will. Auch im Blick auf meinen Nächsten ändert sich dann etwas. Ich erkenne ihn als ebenfalls von Gott geliebten und vielleicht auch Gott liebenden Menschen.
Das hat dann Auswirkungen darauf, wie ich ihm begegne. Im besten Fall liebevoll. Genau so liebevoll soll ich auch zu mir selbst sein. Das legt mir der Liebes-Populist Jesus nahe. 
Martin Olejnicki

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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