Wort zur Woche
Den Schritt wagen – ein Neuanfang ist möglich

»Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.«
Daniel 9, Vers 18

Er war am Ende seiner Kräfte. Er hatte einfach alles falsch gemacht in seinem Leben. Oder jedenfalls fast alles. Am liebsten würde er alles hinschmeißen: die Familie, den Beruf, die Freunde. Am besten alles. Denn was sollte er damit noch anfangen? Überall gab es Dinge, die sich nicht auflösen ließen. Überall fühlte sich das Leben verworren an, verstrickt in Lügen, Ausreden, faule Kompromisse und Nicht-­So-Genau-Hinsehen-­Wollen.
Dazwischen waren allerdings die Zeiten, wo alles wie weggeblasen war. Eigentlich waren die gar nicht so schlecht. An welcher Stelle hätte er sich anders entscheiden sollen? Er wusste es einfach nicht. Wenn er darüber nachdachte, war entweder alles gut oder alles schlecht. Und je nach dem, wo er sich gerade befand, hätte er am liebsten Bäume ausreißen oder eben auch alles wegschmeißen wollen, einschließlich sich selbst …
Aber jetzt war eindeutig alles zu spät. Alle waren sauer, alle, wirklich alle. Zum hundertsten Male hatte es nicht geklappt mit seinen guten Vorsätzen. Hätte er endlich mal seinen Mund gehalten: Hätte, hätte, Fahrradkette …
Wie diese Geschichte ausgeht? Völlig erschöpft und niedergeschlagen findet ihn eine Freundin. Auch mit ihr hatte es Streit gegeben. Sie sagt ihm nur, dass er endlich aufhören soll mit den Halbwahrheiten, mit den falschen Freunden, mit dem aufbrausenden Zorn. Und dann geht sie wieder. Mehr kann sie nicht für ihn tun. Wie große Sturzbäche fließen irgendwann die Tränen aus seinen Augen. Er hatte wirklich alles falsch gemacht in seinem Leben. Oder jedenfalls fast alles. Was, wenn er mal nicht von den anderen erwartet, dass sie sich entschuldigen? So geht er los und hat nichts in der Hand, außer der Bitte um Vergebung. Es könnte schief gehen. Das weiß er. Aber er will darauf vertrauen.
Das ist es, was uns bleibt: Gottes große Barmherzigkeit. Unverdient allemal. Und doch manchmal der letzte Ausweg. Und der Beginn von etwas ganz Neuem.

Magdalene Franz-Fastner, Pastorin in Ilmenau

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