Wort zur Woche
Das vermeintliche Ende ist der Anfang

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Lukas 21, Vers 28

Es war seine Schuld. Er hatte die Anweisung des Königs nicht rechtzeitig ausgeführt. Es war sein Fehler. Sein Fehlverhalten musste einfach Konsequenzen haben. Und nun kniete er vor ihm.

Von Sophie Kersten

Den Körper gebeugt, den Kopf tief gesenkt. Demütig. Wartend auf den Schuldspruch seines Herrn. Er hatte ihn verdient. „Erhebe dich“, sprach der König zu ihm, „Richte dich auf, schau hoch und sieh mich an!“

Der Wochenspruch mit den Worten Jesu will uns in dieser Woche begleiten. Dabei ist grad so vieles zum Niederknien. Nicht vor Freude, sondern aus Demut vor all dem, was ich nicht schaffe, was wir als Menschheit nicht hinkriegen. Täglich hören wir von Gewalt, Hungersnöten, Umweltkatastrophen, nicht enden wollenden Kriegen, Aufrüstung. Und so ein paar eigene Sorgen trägt man ja auch noch mit sich herum. Und eigene Schuld. Da hockt man nun, niedergedrückt. Auf Lösung wartend oder den Schuldspruch. Irgendwas, das heraushilft. Irgendwas, das aufhilft. Aber damit rechnet man dann doch nicht. „Richtet euch auf“, ruft Jesus uns zu, „erhebt euren Blick auf das, was kommt, eure Erlösung ist nahe.“

Ja! Darauf gehen wir im Advent zu! Auf ihn, auf unsere Erlösung. Richten wir uns also auf, erheben wir unseren Blick auf das Wesentliche. Doch das liegt nicht im Staub vor meinen Fußspitzen. Sondern vor mir, kommt mir entgegen. Leuchtet mich schon an.

Schau hin, der, der dich aufrichtet, naht schon. Und das Ende der Geschichte? Der Mann richtete sich auf, ungläubig, ängstlich. Kaum wagt er es, dem König ins Gesicht zu blicken. Und als er es endlich tat, legte dieser sanft die Hand auf seine Schulter und … er lächelt. Das Ende? Nein: Es ist der Anfang unserer Ge-schichte. Ein immer wieder neuer Anfang.

So klopfe ich mir die Krümel vom Knie, stehe auf, richte mich auf und den Blick auf Gott, auf den König und das, was wir zusammen schaffen werden. In diesem Advent.

Die Autorin ist Pfarrerin in Bad Klosterlausnitz.

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Pfarrerin Sophie Kersten | Foto: S. Kersten
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