Wort zur Woche
Das Rezept für ein gelingendes Leben

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 Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Johannes 1, Vers 16

Er mengte mit beiden Händen fest darinnen herum. Herrlich war dies anzusehen.
Die kleinen Finger gruben sich durch den Teig und förderten endlose Häufchen der Kartoffelmasse nach oben. Natürlich fiel immer wieder etwas über den Rand. Aber das störte ihn gar nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit galt dieser Schüssel und dem Kartoffelteig und dem wunderbaren Gefühl, das durch das Kneten entstand. Er wollte keine festen Formen entstehen lassen, sondern einfach reingreifen, in die Mitte der Schüssel, wieder und wieder – Fülle. Unendliche Fülle. So könnte das Bild überschrieben werden. Die Zufriedenheit im Gesicht des Kindes sprach ihre ganz eigene Sprache.
Rundum glücklich war er mit dieser Beschäftigung. Dass daraus Klöße entstehen sollten, war in dem Moment egal. Die Fülle war das Entscheidende. Und das Gefühl, darinnen quasi zu baden – einfach wunderbar! Später standen die Klöße auf dem Tisch. Die Familie hatte sich in großer Zahl versammelt. Alle lobten seine Künste. Er freute sich. Ja, er war sogar stolz darauf.
Noch lieber hätte ereinfach weitergemacht mit der Kloßmasse. Aber irgendwann war Oma ungehalten gewesen  und hatte ihn ermahnt, jetzt doch endlich mal Kugeln zu formen und nicht nur darinnen zu spielen wie mit der Knete im Spielzimmer.
Unendliche Fülle – sie verleitet zur Hingabe, zum Ganz-da-sein. Sie lockt mich und ergreift mich. Sie will mich ganz, mit allen Sinnen, mit Leib und Seele. "Herr, deine Gnade, sie fällt auf mein Leben, so wie der Regen im Frühling fällt. Herr, deine Gnade, sie fließt und durchdringt mich ganz." So heißt es in einem Liedtext.
Die Fragen drehen sich in meinem Kopf. Kann ich die Gnade annehmen? Sie ist großzügig und barmherzig, unverdient, geschenkt. Sie sieht alles, was mich ausmacht. Sie heilt mich und streicht sanft über meine Wunden. Das Gefühl, aus der Fülle heraus zu leben, ist unbeschreiblich schön.
Als Kinder leben wir darin und tauchen ab in andere Welten. Als Erwachsene sehen wir die Zerrissenheit des Lebens manchmal stärker als das Licht, das dadurch auch hereinscheint. Fülle, ganz abtauchen, heil sein im Heil-Werden. Das ist Gnade. Sie fließt und durchdringt mich ganz. Sie ist natürlich nicht mit der Kloßmasse in einer Schüssel zu vergleichen! Und nicht zu verwechseln mit dem Überfluss an Dingen, die wir anhäufen, und die uns doch innerlich leer zurücklassen.

Magdalene Franz-Fastner, Pastorin in Ilmenau

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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