Wort zur Woche
Danken kommt von Denken
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.Psalm 103, Vers 2
Am Morgen aufwachen und dankbar sein für die Ruhe der Nacht. Keine Schmerzen haben, sauberes Wasser aus dem Hahn und frischgemahlenen Kaffee. Dass ich eine Arbeit habe. Dass wir hier im Frieden leben.
Von Mirjam-Christina Redeker
All das und noch viel mehr erscheint mir oft selbstverständlich. Ja, manches Mal meint man, sogar einen Anspruch darauf zu haben. Nur wenn etwas nicht funktioniert, merke ich, wie selbstverständlich mir das Gute war. Es ist Balsam für die Seele, einmal innezuhalten und aufzuschreiben, wofür ich dankbar bin und Gott loben kann: Die behütete Kindheit auf dem Dorf. Fröhliche Spieleabende in der Familie. Für die Großmutter und ihren weltbesten Eierkuchen. Gute Gespräche mit Freunden. Für die Liebe. Vielleicht empfinde ich aber auch große Dankbarkeit dafür, dass ich wieder gesund geworden bin. Oder ein geliebter Mensch. Vielleicht erinnere ich mich auch an die Überwindung einer Lebens- und Sinnkrise.
Psychologen empfehlen Dankbarkeitstagebücher. Die menschliche Psyche neigt nämlich dazu, sich stärker an negative Erfahrungen zu erinnern. Es gibt solche Zeiten im Leben, wo uns nicht mehr zum Loben und Danken zumute ist. Aber wir haben die Freiheit, unsere Aufmerksamkeit trotzdem bewusst auf das immer noch Gute zu richten, auf die noch heilen Bereiche im Leben.
„Denken“ und „danken“ sind im Deutschen sprachlich sehr eng verwandt. Danken bezieht sich auf eine empfangene Wohltat, die ich erinnern und nicht vergessen soll. Um so schöner, wenn der Dank an Gott gerichtet ist und zum Lob wird.
In diesen Herbstwochen feiern wir in unseren Gemeinden Erntedank. Aber das Danken kann in unserem Alltag weitergehen: Sich Tag für Tag das Kleine zu vergegenwärtigen, über das ich mich freue. Oder zu erinnern, wo ich selbst etwas Gutes oder Freundliches ausgesendet habe. Das ist Psycho- und Seelenhygiene. Wir brauchen sie so dringend wie eine Dusche am Morgen oder das Zähneputzen am Abend.
Die Autorin ist Pfarrerin in Erfurt.
Autor:Online-Redaktion |
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