Wort zur Woche
Außen bunt, innen leer
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Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.1.Petrus 5, Vers 5b
Ida wird eingeschult. Endlich. Sie kann schon ziemlich gut schreiben und ist ohnehin ein Kommunikationstalent, da wird es höchste Zeit. Aus der Einschulungsfeier wird ein kleines Volksfest, das in seinen Vorbereitungen einer altmärkischen Landhochzeit ähnelt: kunstvolle Einladungskarten, Geschenkelisten, Hüpfburg, Kleidungsmotto und Feuerwerk. Ein unvergesslicher Tag für Ida und alle Beteiligten.
Von Gordon Sethge
Aber wer feiert hier eigentlich was? Feiert ein kleines Mädchen einen neuen Lebensabschnitt, von dem sie nur ahnen kann, was er ihr bringt? Oder feiern Eltern ihr Kind, ihren Wohlstand, ihren Status und ihre Zukunft? Ich merke, dass mir diese Aufregung und das Ringen um Superlative zu einem solchen Anlass zu viel sind. Muss es gleich das volle Programm sein, oder darf es auch noch Luft nach oben geben? Wird Kindern damit womöglich vermittelt, dass das Leben immer ein großes Fest und Fülle im Überfluss sein muss? Ein Leben, im dem es in erster Linie um mich, meine Bedürfnisse, meine Ansprüche und meine Selbstdarstellung geht?
Wenn es nach außen immer ganz groß, bunt und voll werden muss, wird es innen drin schnell leer und eng. Die Anstrengungen für Anerkennung, Selbstdarstellung und ein „höheres“ Dasein versperren mir womöglich den Blick für das kleine erfüllende Glück: für die Muscheln am Strand, das „Hallo, wie geht´s?“ oder die 4 in Mathe (Hauptsache durch!).
Wenn ich anerkennen kann, dass ich unvollkommen bin, dass ich nicht immer recht habe, dass ich scheitern darf und dafür die Schuld nicht bei anderen suchen muss, macht mich das frei und gespannt. Gespannt auf das eigentlich Große. Das Große, das mein Leben führt und leitet – auch im Kleinen, im Trödeln und im Scheitern. Das Große, das mir gerade dann begegnet, wenn ich es nicht plane oder erwarte.
Daher darf es bitte ruhig einmal eine Nummer kleiner sein.
Der Autor ist Pfarrer in Osterburg.
Autor:Online-Redaktion |
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