Judentum: Vortragsreihe "Koscher to go"
Identität schmeckt nicht nach Krabbencocktail

Gut sortiert: eine koschere Abteilung in einem Berliner Supermarkt
  • Gut sortiert: eine koschere Abteilung in einem Berliner Supermarkt
  • Foto: epd-bild/Rolf Zöllner
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Sie essen keine Schalentiere, und Fleisch muss von Tieren stammen, die Wiederkäuer sind und gespaltene Hufe haben.

Von Nina Schmedding

Kein Krabbencocktail also – dagegen ist ein Rindersteak für Juden erlaubt, solange es schön durchgebraten ist. Tierblut soll ein gläubiger Jude nicht konsumieren, weil es als Sitz der Seele gilt. Für die koschere Küche gibt es zahlreiche Essensregeln. Aber was hat Essen mit Gott zu tun?

"Koscher to go" heißt eine neue Online-Vortragsreihe des Jüdischen Museums Berlin, die sich mit Essensgeboten unterschiedlicher Religionen befasst. Zu jeder Sitzung – geplant sind mehrere Teile bis Ende des Jahres – sind ein Judaist sowie ein Wissenschaftler einer anderen Disziplin eingeladen. Zum Auftakt ging es um "Göttliches essen und trinken – wozu Speisegebote?" in einer Online-Diskussion.

"Das Besorgen von Nahrung war im Laufe der Geschichte oft eine Herausforderung für die Menschheit", erklärt David Kraemer, Professor für Talmud und Rabbinische Studien am Jewish Theological Seminary of America. Daher gebe es keine Kultur, die nicht versucht habe, mittels bestimmter Essensregeln die Nahrungsaufnahme zu beschränken – es war eben nicht immer alles im Überfluss vorhanden. Entsprechend wird Essen im Judentum als Gottesgabe gesehen.

So war Fleisch bereits im antiken Israel etwas Besonderes. Die Menschen ernährten sich hauptsächlich von Hülsenfrüchten. In der Thora finden sich Listen von Tieren, die gegessen werden dürfen. Dahinter steckte die Einstellung: "Wir sind das, was wir essen."

Erst später dienten die jüdischen Speisevorschriften dazu, "die jüdische Identität zu schützen", so Kraemer. Dies habe sich nach dem babylonischen Exil so entwickelt, als die Juden um 539 vor Christus nach Israel zurückkehrten und dort mit einer sehr gemischten Bevölkerung – Persern, Griechen, Römern – zusammenlebten. "Damit wollte man die Identität einer Minderheit schützen, die in einer Mehrheitsgesellschaft mit andersgläubigen Menschen lebte", erklärt der Wissenschaftler.

Aus diesem Grund sei auch die strikte Trennung von Milch und Fleisch vorgeschrieben worden: "Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter" (Exodus 23,19). Eine Essensvorschrift übrigens, die auch anderen Kulturen bekannt sei, "zum Beispiel den Massai im Süden Kenias", sagt Kraemer.

Je mehr Assimilation im Laufe der Jahrhunderte stattfand, je größer die Nähe von Juden und Nichtjuden wurde, desto strikter wurden die Speisegesetze, die die Rabbiner erließen. "Mittlerweile sind sie viel strenger als jemals in der Vergangenheit – ein orthodoxer Rabbiner könnte bei einem Rabbiner des Mittelalters nicht essen", so Kraemer.

(kna)

 jmberlin.de/koscher-to-go-2021 

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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