Theater in romanischer Originalkulisse
Eine Mischung aus Mystik, Mythen und Mittelalter

Der Sherlock Holmes in Franziskanerkutte bewegt sich wieder durch das Kloster. Der englischen Franziskanermönchs William von Baskerville führt in das Jahr 1327 zurück. Dessen Adlatus Adson von Melk schaut ehrfürchtig am scharfsinnigen Mann hinauf, mit dem er sieben ereignisschwere Tage damit verbringt, in einer Atmosphäre von mystischem Raunen, irrlichtenden Zeichen, prallem, fleischeslustvollen Mittelalterleben, von Ketzerei und Machtmissbrauch den Tod von mehreren Brüder aufzuklären.
Immerhin satte 660 Textseiten widmet Umberto Eco in seinem berühmten Roman "Der Name der Rose" dieser spannenden Mörderjagd hinter Klostermauern mit den aufsehenerregenden Wendungen. Seine Fabulierkunst findet seine Entsprechung in der darstellerischen Umsetzung in der Traditionslinie von Kloster-, Detektiv- und Schauerroman. Kein Kammerspiel, sondern die opulent ausgestaltete Suche nach einem verborgenen Manuskript.
Rosmarie Vogtenhuber setzt diese Geschichte seit anderthalb Jahrzehnten mit großem Personaltabloid erfolgreich um. Nahezu 100 Schauspieler und Sänger wirkten seither mit, Tausende Zuschauer genossen seither die überwältigende Gemäuer, die Massenszenen mit Akteuren in Mönchskutten, die die Besuchern die Ordensregeln überreichen und zum Platz geleiten. Sie fühlen sich ins Mittelalter zurückgezogen. Atmosphärisch verstärkt wird dieser historienträchtige Blick in der Stiftskirche Gernrode durch gregorianische Gesänge. Die 2021er Wiederaufnahme des Gemeinschaftsprojektes von QTM und Nordharzer Städtebundtheater gleicht einer Premiere.  Der Umzug an den neuen Ort, statt St. Servatius Quedlinburg baubedingt nun die berühmte romanische Stiftskirche im Ortsteil Gernrode, lassen den komplexen Krimi in einem neuen Kleid, das das Stück suchte, erscheinen, wie die Regisseurin sagt. Die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde klappt prima, nicht nur wenn in der Pause der Pfarrer höchstselbst Getränke ausschenkt. Vogtenhubers Ausstatterin Anita Fuchs kann also mit dem vorhandenen Ambiente spielen, die herrliche Originalarchitektur und die phantastischen Wandmalereien einbinden. Dazu kommt eine ausgefeilte Lichtregie, die Stimmung schafft, ob nun ein Akteur ins Licht gerückt wird oder leichtes Gruseln durch die Abtei ziehen soll. Einen flammenden Höhepunkt bildet dann die Abschlussszene mit viel Rauch, mit durchs Gotteshaus fliegenden Blättern und flackerndem Licht.
Foto: Nordharzer Städtebundtheater/Ray Behringer

Autor:

Uwe Kraus

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