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Erster Todestag von Franziskus
Seine Worte wirken nach

Foto: epd-bild/Vatican Media/Ag.Siciliani
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Vor einem Jahr ist Papst Franziskus gestorben. Er hatte immer wieder vor einem «Weltkrieg auf Raten» gewarnt. Durch die aktuellen Kriege und Krisen bleiben seine Worte präsent.

Von Almut Siefert

Rom (epd). Nur eine Handvoll Frauen steht um die Mittagszeit vor dem schlichten hellgrauen Grabstein. Das warme Licht, mit dem die Nische in der Basilika Santa Maria Maggiore beleuchtet ist, strahlt sanft in den Gang der Kirche hinaus. Unauffällig räumt ein Angestellter die Blumen, die hier von den Gläubigen ab und zu niedergelegt werden, in regelmäßigen Abständen beiseite.

Noch vor wenigen Wochen sorgte hier ein Absperrseil dafür, die Masse an Pilgern im Zaum zu halten. In einer dicht gedrängten Schlange wurden die Menschen an der grauen Marmorplatte vorbeigeschleust. «Weitergehen, nicht stehenbleiben! Weitergehen, nicht stehenbleiben!», raunte eine Sicherheitskraft den Innehaltenden am Kopf der Schlange zu.

Rund ein Jahr nach dem Tod von Jorge Mario Bergoglio hat die Hektik und die Sensation ein Ende. Am Ostermontag vergangenen Jahres, am 21. April, ist Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren gestorben.
Wochen des Bangens um den Gesundheitszustand des Oberhaupts der Katholischen Kirche waren dem dann doch plötzlichen Tod durch einen Schlaganfall vorausgegangen.

Letzte Fahrt im Papamobil

Am Ostersonntag noch hatte Franziskus das «Urbi et Orbi», den für die katholische Kirche so bedeutenden Segen «Der Stadt und dem Weltkreis», von der Loggia des Petersdoms gespendet. Sehr geschwächt und mit leiser Stimme sprach er die Worte und ließ sich anschließend im Papamobil über den Platz fahren. Ein letztes Mal konnte er so den Menschen auch körperlich nahe sein. Zehntausende, die auf den Petersplatz gekommen waren, bejubelten den argentinischen Papst bei seinem letzten öffentlichen Auftritt.

Foto:  epd-bild/Almut Siefert

Ruhig ist die Stimmung ein Jahr später vor dem Grabmal des Mannes, der zwölf Jahre lang als Oberhaupt die Geschicke der katholischen Kirche leitete. Braune Gebetsbänke laden seit neuestem zur inneren Einkehr ein. Das Heilige Jahr, das die katholische Kirche 2025 gefeiert hatte, und das Millionen Pilger nach Rom hatte reisen lassen, ist vorüber: Normalität hat in der Ewigen Stadt wieder Einzug gehalten.

Auch Daniela Spada ist kurz vor dem Jahrestag des Todes von Papst Franziskus in sich gekehrt. Die Argentinierin war eine jener Gläubigen, die im Heiligen Jahr nach Rom gekommen war - und konnte sich so von ihrem Papst persönlich verabschieden. Zwei Mal stand sie damals stundenlang an, um im Petersdom an dem aufgebahrten offenen Sarg Franziskus gedenken zu können. Auch bei der Trauerfeier war die 58-Jährige auf dem Petersplatz dabei.

«Die Menschen drängten sich um das Grab»

Ein Jahr später denkt sie im argentinischen Córdoba an die letzten Monate zurück. Vor ihrer Abreise aus Rom hatte auch Spada das Grab von Franziskus in Santa Maria Maggiore besucht. «Die Menschen drängten sich um das Grab herum», erinnert sie sich in einem Gedankenaustausch via Whatsapp. «Ich hatte das Gefühl, dass Franziskus uns aus der Demut und Einfachheit seines Namens auf dem Stein heraus weiterhin eindringlich aufforderte, eine Kirche zu sein, die hinausgeht, Christen zu sein, die sich in der Realität engagieren, Zeugen der Liebe, die niemals vergehen wird.»

Gerade in der aktuellen Zeit denke sie viel an den verstorbenen Papst. Franziskus hatte in den vergangenen Jahren eindringlich vor einem «Dritten Weltkrieg auf Raten» gewarnt. Die Realität scheint sich für Spada «jeden Tag mehr von Gottes Plan zu entfernen». Vor allem angesichts der schrecklichen Kriege und schweren Konflikte frage sie sich: Was hätte er getan, was würde er sagen?

Auch für den Nachfolger von Franziskus, Papst Leo XIV., ist die Friedensbotschaft zentral. Das machte der gebürtige US-Amerikaner Robert Franzis Prevost schon in seiner ersten Ansprache als neues Oberhaupt der katholischen Kirche deutlich. «Der Friede sei mit euch allen», lauteten seine ersten Worte als Papst, die er nur kurz nach seiner Wahl am 8. Mai von der Mittelloggia des Petersdoms aus an die Welt richtete. «Helft uns, durch Dialog und Begegnung Brücken zu bauen, die uns alle zu einem einzigen Volk vereinen, das immer in Frieden lebt», sagte Leo weiter. Und schloss daran an: «Danke, Papst Franziskus!»

Hoffnung auf Frieden und Solidarität

«Die Stimme von Franziskus ist in dieser aktuellen Krisenzeit sehr deutlich zu hören», sagt Elisa Petrone. Die 19-Jährige war vor einem Jahr Teil einer Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für die Trauerfeier für Papst Franziskus aus Padua nach Rom gekommen waren. Vor allem die jungen Menschen spüren seine Abwesenheit, glaubt Petrone. «Franziskus hat stets versucht, meine Generation in die katholische Bewegung einzubeziehen.» Sie selbst bezeichnet sich nicht als religiös. «Für mich verkörpert Franziskus aber noch heute die Hoffnung auf Frieden und Solidarität, für die er sich stets eingesetzt hat.»

Foto: epd-bild/Vatican Media/Ag.Siciliani
Foto:  epd-bild/Almut Siefert
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