Tafeln
Kreative Ideen gefragt
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Die Tafeln in Mitteldeutschland verzeichnen weiterhin eine große Nachfrage durch Bedürftige. Gleichzeitig machen ihnen die gestiegenen Energiekosten zu schaffen. "Für die Tafeln vor Ort bedeutet das eine herausfordernde Logistik. Touren zu Einzelhändlern müssen noch besser geplant werden, um Leerfahrten zu vermeiden", sagt Ralf Jungnickel, Vorsitzender der Tafel Thüringen.
Von Beatrix Heinrichs
Der Kostendruck wirke sich zudem auf die Lebensmittelspenden aus. "Auch Supermärkte müssen wirtschaftlich kalkulieren und werden weniger häufig beliefert." Engpässe, so dass man Aufnahmestopps verhängen oder auf Wartelisten zurückgreifen müsse, habe es bisher aber nicht gegeben.
35 Tafeln gibt es in Thüringen, darunter viele in Trägerschaft von Kirchengemeinden oder Diakonie. Mit ihrer Arbeit, die zu 75 Prozent von Ehrenamtlichen geleistet wird, unterstützen sie etwa 33 000 Haushalte. Zu den Tafelkunden zählen laut Jungnickel vielfach Menschen mit Migrationshintergrund und zunehmend Senioren. "Altersarmut ist ein Thema, das uns in Zukunft stärker beschäftigen wird. Ich gehe davon aus, dass die Gruppe weiter wächst."
Allerdings, so Jungnickel, empfänden Ältere den Tafel-Besuch oft als Hürde. "Das hat etwas mit Würde zu tun, aber auch mit der öffentlichen Anbindung der Tafelhäuser, die meist ohne Auto nicht erreichbar sind." Ein weiterer Grund könne die geschäftige Atmosphäre zu den Ausgabezeiten sein. "Die Tafel in Ilmenau kommt dem Bedürfnis älterer Menschen nach einem entschleunigten Tempo entgegen und bietet Seniorenöffnungszeiten an." Dabei ginge es nicht darum, die einen zu bevorzugen und andere auszuschließen, betont Jungnickel. "Tafeln sind mehr als die Lebensmittelausgaben. Die Menschen kommen, um sich bei einem Kaffee auszutauschen und so ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Diese Begegnungsorte müssen wir erhalten."
In Halle gewährleisten das bis zu 50 Ehrenamtliche sowie das zehnköpfige Team einer ausgelagerten Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit Behinderung. Die Tafel der Evangelischen Stadtmission ist eine von 36 in ganz Sachen-Anhalt. Versorgt werden hier 3500 Bedürftige. Die Anforderungen an die Ehrenamtlichen seien seit der Pandemie gestiegen, sagt die Tafel-Leiterin Jacquelin Gottschalk. Das habe mit der hohen Nachfrage und auch mit der Qualität der Lebensmittel zu tun, die eine aufwändige Sortierung erfordere.
Sie habe es sich abgewöhnt, Wünsche gegenüber Kommune oder Politik zu äußern, sagt Gottschalk. "Was wir leisten, schaffen wir aus eigener Kraft." Es brauche eben eigene Ideen. So wie das Projekt "Alle für Halle", eine Benefiz-Veranstaltung, die das Thema Armut sichtbar machen soll und deren Erlöse der Tafel Halle zugutekommen. Am 31. Oktober wird dafür ins Capitol in Halle eingeladen.
Autor:Beatrix Heinrichs |

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