Schlossmuseum Quedlinburg wieder eröffnet
Der Glanz der Reichsfürstinnen
- In neuem Glanz erstrahlen das Quedlinburger Schloss mit dem Stadt- und Schlossmuseum sowie die Stiftskirche St. Servatii.
- Foto: Thomas Nawrath
- hochgeladen von Thomas Nawrath
866 Jahre lang agierten die Quedlinburger Äbtissinnen als "Reichsfürstinnen". Ihr Schloss auf dem Stiftsberg wurde nun fast sieben Jahre lang saniert und umgebaut. Am Samstag wird das Schlossmuseum der Welterbestadt wiedereröffnet.
Von Thomas Nawrath
Quedlinburg. Das neue Schlossmuseum auf dem Stiftsberg der Welterbestadt Quedlinburg öffnete am 3. Oktober nach fast siebenjährigen Bauarbeiten. Neben der Restaurierung des historischen Schlosses und der Erarbeitung einer modernen musealen Ausstellung waren umfassende Sicherungsarbeiten am geologischen Untergrund des Stiftsberges notwendig, teilte die Stadt mit. „Noch nie zuvor erstrahlte der Stiftsberg in solchem Glanze“, sagte Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU). Damit seien gute Voraussetzungen gegeben, die Ausstrahlungskraft der Welterbestadt Quedlinburg zu stärken und viele Besucher anzusprechen.
- Kulturminister Rainer Robra (Mitte) eröffnete gemeinsam mit Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch und Museumsdirektorin Uta Siebrecht das neue Schlossmuseum mit einer Pressekonferenz vor den Porträts der 39 Äbtissinnen und von Königin Mathilde, die das Stift 936 mit ihrem Sohn Otto ins Leben rief.
- Foto: Thomas Nawrath
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Im restaurierten Schloss stehen 2.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung - etwa dreimal so viel wie zuvor. Der museale Rundgang führe durch die ehemaligen Wohn- und Repräsentationsräume der Äbtissinnen und erzähle mit mehr als 300 ausgewählten Exponaten die über 1.000-jährige Geschichte Quedlinburgs und der Stiftskirche, hieß es.
Tausend Jahre Geschichte erlebbar
Zu Zeiten von König Heinrich I. (873-936) und seinem Sohn Otto dem Großen (912-973) haben in Quedlinburg regelmäßig Hoftage stattgefunden - zumeist zum wichtigen Osterfest. Diese Epoche werde in den ersten Ausstellungsräumen erlebbar, sagte Museumsleiterin Uta Siebrecht. Dort beginnt auch der chronologisch gestaltete Rundgang.
- Moderne Installationen rufen die historischen Äbtissinnen wieder ins Leben, so z.B. Mathilde I. (Mitte), die Tochter von Kaisewr Otto dem Großen.
- Foto: Thomas Nawrath
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Das Museum rückt die Äbtissinnen und ihre Lebenswelten in den Mittelpunkt der völlig neu gestalteten Ausstellung, sagte Siebrecht. Dafür seien neben vielen Originalen, teilweise Funde von archäologischen Grabungen, auch moderne multimediale Präsentationen in die Schau eingebunden worden. Minister Robra lobte die „geschmackvolle Nutzung moderner Medien“ in der Ausstellung. Es sei „nicht überinszeniert“ worden. Die Präsentation sei „extrem gut durchdacht“. Bis hin zum „dunklen Kapitel“, als Heinrich Himmler in der Zeit des Nationalsozialismus die Stiftskirche für seine Kulte missbrauchte.
- MIssbrauch und Umdeutung der Geschichte: Während der NS-Zeit rückte besonders Heinrich Himmler die Stiftskirche mit der Grablege König Heinrichs I. in ein falsches Licht. Selbst vor einem gefälschten Grabfund scheute man nicht zurück, um die Geschichte des ostfränkisch-sächsischen Königs als angeblich erstem deutschen König zu inszenieren.
- Foto: Thomas Nawrath
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Großprojekt für mehr als 51 Millionen Euro
Zudem sei das gesamte Museum weitgehend barrierefrei gestaltet. Angesichts der historischen Bausubstanz mit vielen Unterschieden im Höhenniveau sei dies keine einfache Aufgabe gewesen, sagte Robra. Dafür seien Fördermittel der EU eingesetzt worden. Bei historischen Großprojekten wie dem Stiftsberg mit dem Schloss könne vorher nie alles exakt berechnet werden, sagte der Minister. So stieß man bei den Bauarbeiten immer wieder auf historische Bausubstanz, die gesichert und restauriert werden musste.
Das habe auch zu der langen Bauzeit beigetragen, sagte Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU). Die Gesamtinvestitionen hätten rund 51,5 Millionen Euro betragen und seien von Kommune, Land, Bund und der EU aufgebracht worden. „In jedem Fall ist dies das größte Infrastrukturprojekt der Welterbestadt Quedlinburg seit 1990“, sagte Ruch. In den kommenden Wochen seien lediglich noch kleinere Restarbeiten auszuführen, etwa am Westhang des Stiftsberges.
- Der Stiftsberg erstrahlt wieder! Hell erleutete Räumlichkeiten des Schlossmuseums zu Quedlinburg am Anend der Eröffnungsfeier.
- Foto: Thomas Nawrath
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Das Damenstift Quedlinburg war im Jahr 936 von König Otto I. als Erinnerungsort für seinen verstorbenen Vater, König Heinrich I. gegründet worden. Seine Mutter Königin Mathilde (896-968) sicherte das Königsgedenken.
epd
Autor:Online-Redaktion |

Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.