175 Jahre Talitha Kumi
Kirchenpräsident besucht deutsche Schule im Westjordanland
- Kirchenpräsident Wolkenhauer in Thalita Kumi.
- Foto: Foto: Gerd Herzog
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Mit bewegenden Begegnungen, neuen Partnerschaften und großer Dankbarkeit ist Karsten Georg Wolkenhauer, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, von den Feierlichkeiten zum 175-jährigen Jubiläum der Schule Talitha Kumi im Westjordanland zurückgekehrt.
„Ich komme von dieser Reise zutiefst beschenkt, gestärkt und ermutigt wieder und bin dankbar, dass wir in Talitha Kumi die Möglichkeit haben, helfen zu dürfen", sagte Wolkenhauer im Nachgang seines Besuchs.
Talitha Kumi liegt nahe Bethlehem und wurde 1851 von Kaiserwerther Diakonissen gegründet. Die Schule gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Bildungsstätten im Nahen Osten. Unterstützt wird sie unter anderem durch das Berliner Missionswerk, zu dessen Trägern die Evangelische Landeskirche Anhalts gehört.
Das 175-jährige Bestehen wurde am 26. September mit einem Festgottesdienst, einem Umzug durch Beit Jala und einem Festakt auf dem Schulgelände gefeiert.
Auf Einladung der Schule nahm eine Delegation des Berliner Missionswerkes und der Landeskirche Anhalts an den Jubiläumsfeierlichkeiten teil. Der Festtag begann mit einem Umzug, angeführt von den Pfadfinderinnen und Pfadfindern Talitha Kumis durch Beit Jala und einem Gottesdienst in der lutherischen Reformationskirche.
In seiner Festansprache erinnerte Ulrich Schöntube, Direktor des Berliner Missionswerkes, an den besonderen Auftrag der Schule: „Friede lässt sich bilden.“ Dazu gehöre, Vorurteile zu überwinden, empathisch zu sein, verschiedene Perspektiven einzunehmen und offen für die Not des anderen zu bleiben. In seiner Meditation erinnerte Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer von der Evangelischen Landeskirche Anhalts daran, dass Leiden und Hoffnungslosigkeit nicht das Ende der Geschichte sein sollten. Talitha Kumi sei aus dem Vertrauen auf das Leben entstanden. „Der andere ist nicht der Feind“, sagte Wolkenhauer.
Sally Azar, Pastorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL), verband die Geschichte der Schule mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihre Urgroßmutter sei Diakonisse und Mitgründerin gewesen, auch ihre Großmutter und ihre Tante hätten zu Talitha Kumi gehört. „Heute“, sagte Azar, „scheine die Hoffnung oft ihre Kraft zu verlieren.“ Doch „Talitha Kumi!“ sei eine Aufforderung, die weiterlebe: Ein Mensch zählt. Ein Mensch wird gesehen.
Eine Fürbitte sprach, neben anderen, auch Superintendent Thomas Harms für die EKBO. Reem Handal, Musiklehrerin an Talitha Kumi, begleitete den Gottesdienst mit dem Schulchor Talitha Kumis am Klavier. Zum Ausgang interpretierte sie die Schlagermelodie „Tränen lügen nicht“. Ungewöhnlicher, gleichwohl berührender Schlussakkord dieses besonderen Gottesdienstes.
Auch Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie Besuche diakonischer Einrichtungen standen auf dem Programm. Höhepunkt war ein großes internationales Schulfest mit Gästen aus vielen Ländern.
Besonders beeindruckt zeigte sich der Kirchenpräsident von den persönlichen Geschichten, die er während seines Aufenthaltes hören durfte. „Ein besonderer Moment war für mich, beim Festumzug neben dem Bürgermeister des Ortes zu gehen, der selbst Absolvent von Talitha Kumi ist. Er hat erzählt, wie diese Schule sein Leben geprägt und verändert hat“, berichtet Wolkenhauer.
Hintergrund
Die deutsche evangelisch-lutherische Schule Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem bietet christlichen und muslimischen Mädchen und Jungen einen geschützten Raum. 1851 von Kaiserswerther Diakonissen gegründet, befindet sie sich heute in Trägerschaft des Berliner Missionswerkes. Die Schule sieht ihre gesamte pädagogische Arbeit als einen Beitrag zur Überwindung von Konflikten und Gewalt und damit zum Frieden.
„Talitha Kumi“ bedeutet „Mädchen, stehe auf!“. Dieser Appell ist bis heute Name, Programm und Auftrag der ältesten evangelischen Schule in Palästina. Er stammt aus dem Markusevangelium, wo es heißt: „Und Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach: Talitha Kumi, Mädchen, ich sage dir, stehe auf!“
Auch die Begegnung mit einer Diakonin vor Ort habe ihn beeindruckt. Trotz knapper Mittel engagiere sie sich unermüdlich für die Menschen ihrer Gemeinde und des gesamten Ortes. Solche Erfahrungen machten deutlich, wie viel Hoffnung und Kraft von christlichem Engagement ausgehen können, ist Wolkenhauer überzeugt.
Nachhaltigen Eindruck hinterließen zudem die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler der Schule. „Die Lehrerinnen und Lehrer unterrichten unter schwierigsten Bedingungen in den drei Schulsprachen Arabisch, Deutsch und Englisch", so der Kirchenpräsident. Dabei werde nicht nur Lehrstoff vermittelt. "Sie geben den Kindern Hoffnung und Zukunft. Das war für mich sehr stärkend und inspirierend."
Die jungen Menschen seien ihm mit großer Offenheit begegnet. „Diese Kinder und Alumni, die gemeinsam drei Sprachen lernen, ein weites Herz und ein weites Weltbild haben und so viel Freude und Hoffnung ausstrahlen, haben mich dankbar und demütig gemacht.“ Der Blick auf ihre Lebenssituation relativiere manches Problem in Deutschland: „Da relativieren sich die Herausforderungen, die wir hier in Anhalt haben und für ganz gewaltig halten, etwas.“
Die Verbundenheit zwischen der Landeskirche Anhalts und Talitha Kumi soll künftig weiter wachsen. Während des Besuchs wurden Begegnungen geplant, darunter ein gemeinsames Projekt mit dem Posaunenchor der Schule.
Autor:Uwe Kraus |

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