Wort zur Woche
Erntedank umfasst mehr
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Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Psalm 145, Vers 15
Wenn diese Worte aus Psalm 145 erklingen, habe ich den vierstimmigen Satz von Heinrich Schütz im Ohr. Ich singe ihn gern als Tischgebet.
Von Esther-Maria Wedler
Auch zum Erntedankfest darf er nicht fehlen. Die Kirchen sind mit Früchten aus Feld und Garten geschmückt. Eine Ernte wurde eingefahren. Das ist nicht selbstverständlich und gibt Anlass zu großem Dank.
Doch Erntedank umfasst noch mehr. Erntedank ist Lebensdank und weist auf die Mitte unserer menschlichen Existenz und unseres Glaubens.
Der Maler Vincent van Gogh hat dies in seinem Bild »Sämann bei untergehender Sonne« zum Ausdruck gebracht. Lavendelfelder sind zu sehen. Ein Baum steht am Wegesrand – vom Leben gezeichnet, knochig und schief, aber mit blühendem Zweig. Ein Sämann streut mit weit ausholender Bewegung Samenkörner aufs Land. Eine wunderbare Ruhe geht von ihm aus. Alle Sinne sind auf sein Tun und den Augenblick ausgerichtet. Über allem leuchtet die Sonne. Man sieht förmlich, wie sich Himmel und Erde berühren. Er wollte die »Sehnsucht nach dem Unendlichen« malen, schreibt van Gogh in einem Brief.
Auch der Heilige Franz von Assisi, dessen Todestag sich am 3. Oktober zum 800. Mal jährt, gibt dieser Sehnsucht Raum. Er öffnet sich dem Ruf, der sein Leben ändert und tiefer und weiter reicht als das, was uns gewöhnlich in Atem hält. Im »Sonnengesang«, der zu den ältesten Zeugnissen italienischer Dichtung zählt, singt Franziskus ein Loblied über die Schöpfung. Voll Staunen preist er Gott und spricht die Geschöpfe als Bruder und Schwester an.
In seinem Hymnus, der mitten in Krankheit und Not geboren wurde, geht er den Spuren Gottes nach. Er richtet unsere Augen auf Gott, der die Schöpfung ins Leben rief und Leib und Seele sättigt: »Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.«
Die Autorin ist Pfarrerin im Pfarrbereich Kerspleben.
Autor:Online-Redaktion |

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