Chile
Freude und Motivation weiterzumachen

Diese und 300 andere Familien erhielten in den vergangenen Wochen Lebensmittel und Hygieneprodukte.
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  • hochgeladen von Mirjam Petermann

Sie haben uns Glauben, Freude und Motivation geschickt, weiterzumachen!“, schrieben die Eltern der 8. Klasse des Colegio Belén O’Higgins. Sich „Freude und Motivation“ zu erhalten, war in den vergangenen Wochen gar nicht so einfach im armen Süden von Chiles Hauptstadt Santiago.

Die Familien, die hier leben, haben schon in normalen Zeiten mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. Viele leben von der Hand in den Mund – haben also weder ein festes Einkommen noch Ersparnisse und müssen zusehen, wie sie abends etwas zu essen auf den Tisch bekommen. Krankheiten oder andere Ausnahmen sind da schnell eine Bedrohung, und seit Oktober letzten Jahres herrschte fast durchgängig Ausnahmezustand im Land.

Erst die zum Teil gewaltsamen sozialen Proteste, die das öffentliche Leben in Chile erschütterten und besonders das Leben der Armen durcheinander wirbelten. Und seit März nun die Coronakrise: Seit über 120 Tagen kein Präsenzunterricht mehr in Schulen und Universitäten, Ausgangssperre nachts und in vielen Regionen des Landes auch strikte Quarantäne, die das Verlassen nur in Ausnahmefällen und zwei Mal pro Woche erlaubt. Unter diesen Umständen ist es nahezu unmöglich „weiterzumachen“, das heißt als Tagelöhner oder Straßenverkäufer zu arbeiten. Viele Servicedienste werden derzeit nicht gebraucht. Auch feste Arbeitsplätze sind schon zu Hunderttausenden weggefallen. „Freude und Motivation“ gehen da schnell verloren.

Im Februar wurde in den sozialen Medien noch über die „Krankheit der Reichen“ gespottet, denn nur Wohlhabende konnten zunächst das COVID-Virus von Geschäfts- oder Urlaubsreisen mit ins Land bringen. Schnell breitete es sich jedoch in den Armenvierteln aus, wo die Menschen dicht gedrängt leben, weder im Home-office arbeiten , noch bei Symptomen zu Hause bleiben können, da der Verdienstausfall zu schwer wiegt.
Die Zahl der täglich Neuinfizierten geht seit Mitte Juli endlich zurück. Aber die wirtschaftliche Krise entfaltet nun ihre volle Macht. Wie sonst nur nach Vulkanausbrüchen oder Erdbeben, haben plötzlich kostenlose Essensausgaben geöffnet. Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosenversicherung gibt es in Chile nicht. Wer kein Einkommen hat, hat bald auch nichts mehr zu essen.

Die Evangelisch-lutherische Versöhnungsgemeinde liegt zwar im wohlhabenden Stadtteil Las Condes, aber seit ihrer Gründung vor nunmehr 45 Jahren ist das sozial-diakonische Engagement ein Herzstück ihrer Gemeindearbeit. So entstand das Colegio Belén O’Higgins, für dessen Familien die Gemeinde in den letzten Wochen eine Spendenaktion ins Leben rief.

"Wir hatten gehofft, dass es möglich sein würde, viele Spenden zur Unterstützung der Familien in unserem Colegio Belén O’Higgins zu erhalten", sagt Pastorin Nicole Oehler. "Von der Vielzahl an Spenden waren wir jedoch überwältigt. Hilfe kam aus Chile und der Schweiz, vor allem aber auch aus vielen deutschen Freundeskreisen und Kirchengemeinden." 300 Kisten mit Lebensmitteln konnten so gekauft werden. Und noch einmal 300 mit Hygieneprodukten. Die 300 Familien haben jetzt in den nächsten Wochen vielleicht eine Sorge weniger und können zum Beispiel versuchen, ihre Kinder besser bei den schulischen Aufgaben zu unterstützen. Zwar ist auch im Colegio Belén der Unterricht mittlerweile auf digitales Lernen umgestellt, aber das ist hier, im Armenviertel, natürlich noch mal eine besondere Herausforderung.

Johannes Merkel
Der Autor teilt sich seit sechs Jahren mit seiner Frau Nicole Oehler die Pfarrstelle der Versöhnungsgemeinde in Santiago de Chile.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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