Einer unglaubliche Geschichte

Missionare als Flüchtlinge: 
Gamil und Doaa haben in der Freien evangelischen Gemeinde im pfälzischen Kusel ein Zuhause gefunden und im zurückliegenden Jahr vielen Einwanderern und Deutschen das Evangelium erklärt. Schließlich sind sie auch hier Missionare und ihre Muttersprache Arabisch ist ein Geschenk Gottes, um Flüchtlingen von Jesus weiterzusagen.
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  • Missionare als Flüchtlinge:
    Gamil und Doaa haben in der Freien evangelischen Gemeinde im pfälzischen Kusel ein Zuhause gefunden und im zurückliegenden Jahr vielen Einwanderern und Deutschen das Evangelium erklärt. Schließlich sind sie auch hier Missionare und ihre Muttersprache Arabisch ist ein Geschenk Gottes, um Flüchtlingen von Jesus weiterzusagen.
  • Foto: DMG
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Gamil und Doaa sind in einem Vorbereitungspraktikum des christlichen Missions- und Hilfswerks DMG (»Damit Menschen Gott begegnen«).
Von Theo Volland

Das gibt’s nicht!«, denkt die gläubige Übersetzerin einer Freien evangelischen Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Staunend sitzt sie einem arabischen Ehepaar aus dem örtlichen Erstaufnahmelager gegenüber und hört deren unglaubliche Geschichte:
Doaa ist 34 Jahre alt und stammt aus Galiläa in Israel, ihr Mann Gamil ist 48 und Ägypter. »Wir sind Missionare«, erklären die beiden der verblüfften Christin, die ihnen vorher an diesem Sonntag den Gottesdienst übersetzt hat. »Wir haben im Südsudan in einem unerreichten Volk christliche Gemeinden gegründet«. Araber als Missionare? Und Flüchtlinge? Wie geht das denn zusammen, überlegt die verblüffte Deutsche.
Gamil stammt aus Alexandria, seine Mutter war Witwe und überzeugte Christin. »Sie hat viel für mich gebetet«, erzählt er. »Als junger Erwachsener im Militärdienst wollte ich nichts mehr vom Glauben meiner Familie wissen.« Doch sein Bruder lud ihn immer wieder in die Gemeinde in Alexandria ein. »Einmal im Urlaub bin ich aus Neugier mitgegangen«, lächelt er. »Weder der Lobpreis, noch die Predigt haben mich angesprochen. Doch dann legte ein Mann mir seine Hand auf die Schulter und betete für mich. In diesem Moment hat Jesus mein Herz erneuert.« Gamil empfand bei dem Gebet eine unbeschreibliche Liebe und Freude. »Ich war völlig verändert danach«, sagt er.
Die Glaubensfreude hielt an, das merkten alle in Gamils Kompanie. Seine Freunde und Kameraden fragten, was ihn so verändert hatte. Fröhlich bezeugte er ihnen Jesus. Als Gamils Militärdienst endete, begann er, auch zu Hause überall offen von Jesus zu reden, selbst in den Straßen. Seine Motivation damals wie heute: »Ich möchte, dass jeder die Freude kennenlernt, wie nur Jesus sie schenkt.« Von da an ging er gerne in die Gottesdienste und brachte sich als Mitarbeiter ein.
Der junge Ägypter studierte Management und gründete eine erfolgreiche Firma, die Plastikteile produzierte. Eines Tages besuchte er eine Missionskonferenz, die versteckt stattfand, um kein Ziel für Terroristen abzugeben. Hier hörte Gamil von den Milliarden Menschen und mehr als 1 000 Völkern rund um die Erde, die Jesus nicht kennen. Die Not der Verlorenen traf ihn mitten ins Herz. Ein Missionar erzählte von Nubien im südlichen Nachbarland Sudan, wo es 99 Volksgruppen ohne eine einzige Gemeinde gab. Das Team des Missionars war überfallen worden, manche verletzt, andere getötet. »Durch seinen Bericht sprach Gott direkt zu mir«, erzählt Gamil. »Ich spürte, dass ich in die Berge Nubiens sollte, um von Jesus weiterzusagen.«
Vier Jahre nacheinander nahm der Jungunternehmer jeweils zwei Monate frei, um sudanesischen Bergvölkern die gute Botschaft zu bringen. Seine Einsätze waren gesegnet, und strahlend berichtet Gamil von seinen ersten Erfahrungen in der Mission. Er war so angetan von Gottes Handeln im Sudan, dass er 2007 seine Anteile an der Firma verkaufte, um Vollzeitmissionar zu werden. Bereits im Jahr darauf schien sich alles wieder zu zerschlagen. Der Sudan untersagte Ausländern Reisen in die Berge Nubiens, ägyptische Christen konnten nicht mehr in diese Region. War alles umsonst gewesen? »Ich betete wochenlang und Gott antwortete«, sagt Gamil. 2011 teilte sich der Sudan in zwei Länder. Im Süden standen plötzlich alle Türen offen. »So sandte meine Gemeinde in Alexandria mich als Missionar in den Südsudan.« Von 2012 bis 2016 arbeitete Gamil in der Region Western Bahr el Gazal in einem verstreut lebenden Volk, bei Menschen, die noch nie zuvor von Jesus gehört hatten. Hier gründete er 22 christliche Gemeinden.
»Wir haben viele Wunder erlebt«, strahlt Gamil. Einmal kam eine verzweifelte Frau auf ihn zu und erzählte, dass fünf ihrer Kinder bereits als Babys gestorben waren, weil sie nicht stillen konnte. Jedes ihrer Kinder war an Mangelernährung gestorben. Sie sorgte sich so um den kleinen, abgemagerten Säugling in ihrem Arm. Würde sie diesmal ihr Kind stillen können, würde es überleben? Zu dieser Zeit war es heiß und trocken, auch die Tiere der Gegend gaben keine Milch mehr. Verzweifelt bat die Frau Gamil um Hilfe. »Was sollte ich tun? Ich hatte nichts, was ihr helfen konnte. Also betete ich für sie, danach reisten wir weiter.«
Wie Gott dieses Gebet beantwortet hat, bewegt den arabischen Missionar bis heute: »Eine Woche später kam ich in dieses Dorf zurück und alle haben mich freudig erwartet. Ganz vorne saß die Mama und stillte glücklich ihr Kind. Jesus hatte sie geheilt. Nach dem offensichtlichen Wunder wollten alle in dieser Gegend meinen Gott kennenlernen. So entstand die erste Gemeinde dort.«
2013 lernte Gamil in der südsudanesischen Hauptstadt Juba seine Frau Doaa kennen, eine junge Araberin aus Galiläa in Israel. Doaa kam wie er aus gläubigem Elternhaus. Sie hatte Psychologie studiert und war in ihrer Heimat Israel Beraterin für Eltern und Erzieherinnen. Auch ihr liegen die unerreichten Völker am Herzen. Eine Freundin hatte ihr zu einem dreimonatigen Einsatz im Südsudan geraten, wo sie in einem Waisenheim mithalf. Die Not der Straßenkinder, besonders der vielen Mädchen, die Traumatisches erlebt hatten, berührte sie tief. Bei ihrem zweiten Einsatz verlobten sich Doaa und Gamil, 2015 heirateten sie schließlich. Gemeinsam wollten sie als Missionare im Südsudan bleiben.
Leider brach 2016 in ihrer Region ein schwerer Stammeskonflikt aus. »Direkt bei unserem Haus wurde geschossen, wir mussten weg!« Zunächst flohen Doaa und Gamil in die Nachbarstadt, als der Krieg sie auch dort wieder einholte, weiter nach Jordanien, wo sie Visa für einen Monat erhielten. Eigentlich wollten sie nach Hause, nach Ägypten oder Israel, doch beide Staaten ließen sie nicht gemeinsam einreisen.Das geschah Ende 2016, als die Flüchtlingswelle nach Deutschland in aller Munde war. Verzweifelt entschied das arabische Missionarsehepaar, eine neue gemeinsame Heimat in Europa zu suchen und bestieg ein Flugzeug in Richtung Deutschland.
Wie es sich anfühlt, wenn man als Flüchtling in Deutschland ankommt? Doaa stehen Tränen in den Augen bei dieser Frage. Ihre Gefühle sind gespalten. Es war unglaublich schwer für sie als Frau mit Masterstudium und für ihren Mann, einen ehemaligen Unternehmer, plötzlich ein Niemand zu sein. Für viele Deutsche waren sie unerwünschte Fremde. »Die Sprache ist schwer«, sagen sie, dabei sprechen beide gut Deutsch und verstehen fast alles. Andererseits staunen sie über die Liebe der vielen deutschen Helfer, die sich uneigennützig für sie engagiert haben. »Wir beten vor allem für die lieben Leute darunter, die noch keine Christen sind, dass sie Jesus kennenlernen«, das ist Gamil und Doaa wirklich wichtig.
Gegenwärtig absolvieren die beiden ein Vorbereitungspraktikum der DMG. Das Ziel ist – wenn ihr Asylantrag genehmigt wird – dass sie als DMG-Mitarbeiter teils Geflüchteten in Deutschland helfen und ansonsten in der Trockenzeit im Südsudan in einem unerreichten Volk Gemeinden gründen.

Der Autor ist verantwortlicher Redakteur der DMG interpersonal (ehem. Deutschen Missionsgemeinschaft); gerne können Sie das Missionarsehepaar in Ihre Gemeinde einladen, um sie näher kennenzulernen, und mit Gebet und Spenden unterstützen.

www.DMGint.de/Spenden

Missionare als Flüchtlinge: 
Gamil und Doaa haben in der Freien evangelischen Gemeinde im pfälzischen Kusel ein Zuhause gefunden und im zurückliegenden Jahr vielen Einwanderern und Deutschen das Evangelium erklärt. Schließlich sind sie auch hier Missionare und ihre Muttersprache Arabisch ist ein Geschenk Gottes, um Flüchtlingen von Jesus weiterzusagen.
Freudiges Ereignis: Gamil (l.) bei einer Taufe im Südsudan
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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