Fusionen und die Folgen
Weniger kirchliche Krankenhäuser

Die Plastik "Martha und Maria" symbolisiert das Helfen und Zuhören im gleichnamigen Krankenhaus.  | Foto: Claudia C rodel
  • Die Plastik "Martha und Maria" symbolisiert das Helfen und Zuhören im gleichnamigen Krankenhaus.
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Der Konzentrationsprozess der Krankenhäuser schreitet voran – und aktuell scheint die Entwicklung zumindest in Sachsen-Anhalt zu Ungunsten evangelischer Einrichtungen zu gehen.

Von Thomas Nawrath

Besonders deutlich wurde das im Vorjahr bei der Insolvenz des Krankenhauses der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Die monatelange Unsicherheit für Mitarbeiter, Patienten und Geschäftspartner konnte erst im August mit der Übernahme durch das Universitätsklinikum Magdeburg beendet werden.

Doch auch diese Lösung hatte enorme Anstrengungen und Absprachen mit unterschiedlichen Partnern verlangt, sagte der Beauftragte der evangelischen Kirchen beim Land, Albrecht Steinhäuser. Letztlich bleibe aber der Verlust eines christlich geprägten Klinikums. "Pfeiffers war in Magdeburg eine Institution mit jahrzehntelanger Erfahrung und christlicher Prägung", bestätigte der Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland, Frieder Weigmann. Auch für den Verband sei dies ein herber Verlust.

In der Debatte über die Zukunft aller Kliniken im Land stellt sich in Augen von Albrecht Steinhäuser die Grundsatzfrage, ob Gesundheit eine Ware oder eine Frage der Daseinsvorsorge sein soll. Gerade kleinere Krankenhäuser würden einen zunehmenden finanziellen Druck verspüren. Hinzu kämen „das Problem des Fachkräftemangels und der Trend zur Ambulantisierung“, sagte er. Bei den Pfeifferschen Stiftungen konnte man mit großen Anstrengungen „für Altenpflege, Behindertenpflege und Hospiz eine tragfähige Lösung finden“ und so die 136-jährige Geschichte fortführen. Doch er betrachte die Entwicklungen im Pflegebereich mit Sorge, sagte Steinhäuser: „Der Druck auf die diakonischen Einrichtungen bleibt weiter hoch.“

Wirtschaftliche Gründe waren auch maßgeblich, warum in Halle zwei mittelgroße christliche Krankenhäuser im Frühjahr zu einem neuen Krankenhaus unter Führung der katholischen "Elisabeth Vinzent Verbundes" verschmelzen werden. Damit endet allerdings die evangelisch-methodistische Geschichte des Krankenhauses Martha-Maria in der Dölauer Heide.

Dennoch seien die Verhandlungen zur Fusion mit Blick auf die Zukunft richtig gewesen, sagte der Ärztliche Direktor, Chefarzt Wolfgang Schütte, auf Anfrage von "Glaube + Heimat". Er lobte die Verhandlungen mit den katholischen Partnern. Mit zusammen fast 3000 Mitarbeitern und 1100 Klinikbetten in der Saalestadt entsteht auf diesem Weg Sachsen-Anhalts größtes konfessionelles Klinikum.

Im ersten Schritt wurde das Dölauer Krankenhaus zum 1. Januar „eine Tochtergesellschaft des Krankenhauses 'St. Elisabeth und St. Barbara Halle'", sagte Kliniksprecher Jan-Stephan Schweda. „Für die Patientinnen und Patienten ändert sich zunächst einmal nichts.“ Das Krankenhaus "St. Elisabeth und St. Barbara" geht auf eine Gründung der „grauen Schwestern“ aus dem Jahr 1891 zurück. Wie es hieß, habe sich die Evangelisch-Methodistische Kirche jedoch aus der Krankenhausseelsorge in Dölau zurückgezogen. Dieser Part wird nun unter Leitung des neuen Partners getragen, werde wohl aber ökumenisch organisiert.

Im Frühjahr wird die eigentliche Fusion zu einem dann neuen Krankenhaus mit neuem Namen realisiert. Nach eigenen Angaben will man künftig wieder „aktiv Verantwortung für die Patientenversorgung in Halle und in Sachsen-Anhalt“ übernehmen. Deshalb wird der neue Klinikverbund „eine an den Patientinnen und Patienten orientierte Spitzenmedizin mit christlichen Wurzeln konsequent weiterdenken“, die „Kräfte bündeln“ und „Ressourcen schonen“. Es sei angedacht, die jetzt 1100 Klinikbetten mit Hilfe „neuer Behandlungsmöglichkeiten, des medizinischen Fortschritts und des allgemeinen Trends zur Ambulantisierung im Gesundheitswesen“ mittelfristig auf etwa 850 "abzuschmelzen". Dafür will man „medizinische Leuchttürme ausbauen, neue Stärken entwickeln und die medizinische Versorgung noch besser machen“, sagte Schweda.
Als Teil des katholischen "Elisabeth Vinzenz Verbundes" werde sich „das neue Haus an der christlichen Ökumene orientieren und sowohl vom Werteverständnis als auch hinsichtlich der Spiritualität die Traditionen beider Träger aufgreifen“.

Autor:

Thomas Nawrath

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