Fasten-Botschafter Ralf Meister
"Ohne Luft zu holen, lebt kein Mensch"

Foto: epd-bild/Heike Lyding

Hannover (epd). Unter dem Motto «Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik» beginnt am heutigen Aschermittwoch die diesjährige evangelische Fastenaktion «7 Wochen Ohne». Das Motto setze ein Gegengewicht zu «atemlosen Zeiten», sagt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister als Botschafter der Aktion. Er hofft, dass die Fastenzeit den Teilnehmenden viele neue Erkenntnisse für ihren Lebensalltag bringt. Welche das sein könnten, hat er im Gespräch mit Björn Schlüter umrissen.

Herr Meister, worin besteht der Nutzen der Fastenzeit?
Ralf Meister:
Die Fastenzeit erinnert zuerst an das Leiden und Sterben Jesu. Doch schon früh wurde diese Erinnerung zu einer bewussten, persönlichen Glaubenszeit, eine Unterbrechung. Es geht darum, sich bewusst mit dem eigenen Leben und seinem Verhältnis zu Gott zu beschäftigen. Der Verzicht auf bestimmte Speisen, Alkohol oder anderes vertieft die Frage: Was ist mir wichtig im Leben? Die Fastenzeit dauert 40 Tage und bietet somit die Möglichkeit, in vielen kleinen Schritten Haltungen und Gewohnheiten zu überprüfen und vielleicht auch grundsätzlich zu ändern.

Wie hilft dabei, dass das diesjährige Motto, das die Menschen auffordert, Luft zu holen?
Meister:
Ohne Luft zu holen, lebt kein Mensch. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel wird erzählt, dass Gott den Menschen mit dem Atem belebte, als er ihn schuf. Luft holen bestimmt unser Leben. Bewusst zu atmen führt dazu, dass wir uns konzentrieren auf den Körper, gibt ihm einen Rhythmus. «Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik» will Anreize geben, im Überfluss der Kommunikation und der Kurzatmigkeit des Lebens einmal anzuhalten. Die Konzentration auf den Atem schafft Raum für Leib und Seele, um zwischen dem Wichtigen und Unwichtigen im Leben zu unterscheiden. Zudem hilft sie, besonnen über die Dinge nachzudenken, die mir bedrohlich erscheinen, die mir Angst machen. Nur ein Bruchteil von dem, was ich durch die Dauerkommunikation aufnehme, ist wichtig für mich.

Entschleunigung soll also Probleme lösen?
Meister:
Wer lernt, zu sagen: «Atme erst mal durch», macht das später selbstverständlich. Vieles, was uns unzufrieden macht oder worüber wir uns ärgern, entsteht daraus, dass wir uns nicht mehr die Zeit nehmen, um durchzuatmen, und nicht mehr die Zeit finden, um nachzudenken. Es kommt darauf an, gerade auch bei Dingen, die ich unerträglich, hinderlich oder einschränkend finde, so lange Atem zu holen, bis ich es besser verstehe, aber auch sortieren kann: Was ist wichtig für mich, meine Freunde, meine Familie? Dann komme ich in die Lage, angemessenere Antworten zu finden, Rücksicht zu nehmen oder auch um Entschuldigung zu bitten für eine unbedachte Reaktion.

Autor:

Online-Redaktion

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