Wehrdienstberatung
Nein danke, ich habe andere Pläne
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Freiwillige vor: Auch der Wehrdienst könne dem Frieden dienen, äußerte jüngst die Präses der EKD-Synode Anna-Nicole Heinrich. Wie sieht das die Jugend in Mitteldeutschland? Ein Besuch in der Wehrdienst-Beratung der Offenen Arbeit Erfurt.
Von Conny Mauroner
Jugendliche in Mitteldeutschland setzen Zeichen gegen die neue "Marschrichtung" der Bundesregierung: Sie organisieren Demonstrationen oder nehmen an Diskussionsrunden teil. Seit Anfang des Jahres verschickt die Bundeswehr Fragebögen und möchte wissen, wie es um die Freiwilligkeit in Sachen Wehrdienst steht. Viele Jugendliche sind verunsichert. Sie wünschen sich Frieden – und sehen, wie die Welt aufrüstet. Traditionell sind es die Kirchen, die bei Gewissensfragen helfen. „Schon zu DDR-Zeiten waren die Gemeinden Anlaufpunkte und haben Auswege gesucht und gefunden. Heute sind sie es wieder. Der Bedarf an Beratung ist gestiegen“, sagt Matthias Weiß von der Offenen Arbeit in Erfurt. „Ein paar Jahre lang wurde unsere Kriegsdienstverweigerer-Beratung nicht gebraucht. Als 2011 die Wehrpflicht abgeschafft worden ist, haben wir sie eingestellt. Inzwischen sieht die Welt anders aus.“
Im September haben sie auf die politische Lage reagiert und die Beratungen wieder aufleben lassen. „Die Nachfrage steigt stetig, von Eltern wie Jugendlichen gleichermaßen“, berichtet Weiß. „Manche Anfragen erreichen uns per Telefon oder Mail und sind schnell bearbeitet. Andere Klienten kommen mehrfach zu uns.“
Die Familien wollen wissen, was sie tun müssen, wenn der Brief von der Bundeswehr kommt. Müssen sie antworten, und wenn ja, was kreuzen sie an? Was passiert, wenn Sohn oder Tochter den Kriegsdienst verweigern wollen? Was sind die Konsequenzen? „Am Ende steht die Frage, ob sich die Betroffenen vorstellen können, eine Waffe gegen einen Menschen zu richten. Den Kriegsdienst kann man nur aus Gewissensgründen, nicht aus politischen Gründen verweigern.“
Unter den Jugendlichen findet sich die Antwort meist schnell. „Ich bin doch kein Kanonenfutter für die Politik“, sagen die einen. Auf Plakaten schreiben sie Sätze wie: „Nein danke, ich habe schon andere Pläne.“ Auch in Schulen ist der Wehrdienst Thema. „Wir haben in Sozialkunde darüber gesprochen. Nicht alle, aber die meisten lehnen das ab. Wer freiwillig zum Bund gehen will, der kann das tun. Aber warum sollte ich?“, sagt eine Schülerin aus Weimar. Während manche in der Bundeswehr einen attraktiven Arbeitgeber sehen, können sich andere nicht vorstellen, jemals eine Uniform zu tragen.
Matthias Weiß und Kollegen ordnen ein, zeigen Alternativen auf. „Wobei ich den Zivildienst ablehne. Schließlich basiert der auf einer Wehrpflicht“, sagt Weiß. Er rät jungen Menschen zum Bundesfreiwilligendienst, um einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Kirchliche Einrichtungen wie die Offene Arbeit zeigen offen, welche Haltung sie zum Krieg vertreten. Kriegsdienstverweigerer werden unterstützt. Ihnen werden Argumente und Mut mit auf den Weg gegeben. Dafür werden Beratungen angeboten, nicht nur in Erfurt.
Klare Kante zeigen die Gemeinden und junge Christen auch bei öffentlichen Veranstaltungen. „Wir sind bei Demonstrationen gegen die Wehrpflicht als Kirche präsent. Wir beteiligen uns an Friedensinitiativen, wie demnächst dem Ostermarsch, und bieten Themenabende an.“ Referiert wird dabei unter anderem über Aufrüstung und Rüstungsexporte. „Es geht um Krieg und Frieden, vor allem um eine gewaltfreie Welt. Wir wollen nicht aufs Militärische setzen“, so Weiß. "Nächstenliebe kennt keine Waffen."
Autor:Online-Redaktion |
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