Kommentar
Kirchliche Jahreszeiten

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Von Willi Wild

Osterfeuer am Karfreitag, Männertag zu Himmelfahrt, Weihnachtslieder am Totensonntag. Der Rhythmus des Kirchenjahres ist in unserer Gesellschaft aus dem Takt geraten. Weihnachtsmärkte, die eigentlich Adventsmärkte sind, beginnen oft schon nach dem Volkstrauertag und gehen mancherorts bis ins neue Jahr.
Um das fehlende Bewusstsein für die kirchlichen Jahreszeiten zu erklären, kann ein Blick in die Geschichte hilfreich sein. Das Kirchenjahr verfestigte sich nach der Reformation und wurde nach und nach ergänzt. Seitdem wurden mit den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liturgische Lesungen zu den Letzten Dingen verbunden.
Den Sonntag zur Erinnerung an die Verstorbenen bestimmte 1816 der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. für seine evangelische Kirche jeweils am letzten Sonntag des Kirchenjahres. Diese Bestimmung wurde von anderen Landeskirchen übernommen. Seit den 1950er-Jahren löste der Begriff des Ewigkeitssonntags den Totensonntag, zumindest in den evangelischen Agenden, ab.
Der Tod ist ein Tabuthema, und Ewigkeit ist kein Begriff unserer schnelllebigen Zeit. Verständlich, dass ein verordneter Feiertag, zumal zum Totengedenken, gern verdrängt wird. Dabei haben auch menschliche Ordnungen ihr Gutes. Unser Leben erhält eine Struktur. Wir können uns, wie an den Jahreszeiten, daran orientieren. Zudem berühren sie alle Bereiche unseres Lebens, von der Wiege bis zur Bahre. Dass der Tod zum Leben gehört, ist eine Binse.
Ich bin dankbar für diese Zäsur am Totensonntag, der in die Ewigkeit zeigt. Und ich freue mich in ungeduldiger Erwartung auf die Adventszeit, die am Sonntag beginnt. Getreu dem Motto: "Alles hat seine Zeit! – Advent ist im Dezember."

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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