AfD-Bundesparteitag in Erfurt
Kirche setzte Zeichen für Demokratie
- Im Rahmen der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitags am Wochenende in Erfurt wurde am Samstag (04.07.2026) auf dem Anger in Erfurt ein Freiluftgottesdienst
- Foto: epd-bild/Paul-Philipp Braun
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Nach den Massenprotesten gegen den AfD-Parteitag ist die Lage in Erfurt wieder ruhig. Forderungen nach einem AfD-Verbotsverfahren prägten die Kundgebungen. Die Kirchen setzten bei einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt.
Erfurt (red/epd/kna). Rund um den AfD-Bundesparteitag am vergangenen Wochenende in Erfurt beteiligten sich die Kirchen am "Fest der Demokratie". Organisiert wurde es vom Bündnis "Weltoffenes Thüringen". Den Auftakt bildete am Freitagabend ein Friedensgebet mit anschließender Lichterkette. Am Samstagvormittag fand, parallel zum Beginn des Parteitags auf der Messe, in der Innenstadt ein ökumenischer Open-Air-Gottesdienst mit Weihbischof Reinhard Hauke und Regionalbischöfin Friederike Spengler statt.
Daran wirkten auch Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow und die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt mit. Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, sprach ein Grußwort. Danach gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Erfurt - Stadt der Freiheit, der Verantwortung und der Demokratie", ein 24-Stunden-Gebet in der Reglerkirche und diverse Musik-Angebote. Auch an den Ständen und Aktionen unter dem Motto "Demokratie leben" beteiligten sich kirchliche Initiativen. Am Sonntag wurde zum Abschluss ein Gottesdienst in der Predigerkirche gefeiert.
Aufruf zu unbedingter Gewaltfreiheit
Im Vorfeld hatte Regionalbischöfin Friederike Spengler angesichts der angekündigten Proteste, teils auch gewaltbereiter Gruppen, gegen den Parteitag zu unbedingter Gewaltfreiheit aufgerufen: "Als Demokraten müssen wir uns an die Gesetze halten, die sich unsere Gesellschaft für ihr freiheitlich-demokratisches Zusammenleben aus gutem Grund und in Jahrzehnten miteinander erprobt gegeben hat." Vor allem appellierte sie, Ordnungskräfte nicht zu nötigen, gegen die Demonstrierenden vorgehen zu müssen.
"Demokratie muss und kann aushalten, dass Veranstaltungen stattfinden, die inhaltlich dem total entgegenstehen, was viele Demokratinnen und Demokraten wollen", mahnte die Regionalbischöfin. "Was wir aber tun können und müssen, das werden wir tun: zusammenstehen! Zusammen für die Gestaltung unserer Gesellschaft eintreten, die sich von Achtung der Würde eines jeden Menschen, von Nächstenliebe und Toleranz leiten lässt."
Gemischte Bilanz
Versammelt zu den Demonstrationen hatten sich am Wochenende über 30.000 Menschen. Die Proteste sind weitgehend friedlich zu Ende gegangen. Adrian Hartig, Sprecher des Bündnisses „Zusammenstehen“, nannte die Proteste einen „vollen Erfolg“.
Die Protestierenden warfen der AfD vor, demokratische Grundwerte zu gefährden und ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung zu fördern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Bundes-AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Mehrere Landesverbände gelten zudem als gesichert rechtsextrem. In Redebeiträgen und auf Transparenten wurde die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens gefordert.
Kirche als gesellschaftlicher Treffpunkt
In einem Gespräch mit dem Kölner Internetportal domradio.de zeigte sich Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow beeindruckt vom großen Zuspruch, den auch kirchliche Angebote wie Gottesdienste und Friedensgebete bei den Kundgebungen gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt hatten. "Wenn ich dann sehe, dass so ein Abendgebet auf einmal mit 1.500 jungen Leuten gefüllt ist, die noch nie in der Kirche waren oder fast noch nie, dann bin ich davon angetan", sagte der frühere Thüringer Ministerpräsident. "Kirche ist nicht einfach nur die Amtskirche, sondern Kirche ist der Ort, wo wir uns treffen. Ich habe jetzt das ganze Wochenende in Erfurt erlebt."
Weiter hat Ramelow die Kirchen ermuntert, das Gespräch mit AfD-Sympathisanten zu suchen. "Es geht darum, Menschen nicht zu verurteilen, wenn sie etwa sagen, die AfD sei ihre politische Heimat, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen", sagte der Linken-Politiker. Wenn sich dabei im Gespräch Trennendes zeige oder unterschiedliche Menschenbilder sichtbar würden, sei es wichtig, klar zu bleiben.
"Nicht hart, aber eindeutig. Diese Klarheit macht zugleich deutlich, wie einladend Kirche sein kann", so Ramelow, der aktives Mitglied der evangelischen Kirche ist. Dabei lobte er die kirchliche Initiative "Unser Kreuz hat keine Haken", deren Transparente er an vielen Kirchen sehe. "Wenn das die gemeinsame Botschaft ist und das Ganze verbunden wird mit Fröhlichkeit, mit Ausstrahlung, mit Lächeln und mit Zugewandtheit, dann zeigt das eine klare Haltung der Offenheit."
Autor:Online-Redaktion |
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