Kirchen rufen zur Stimmabgabe für das Europäische Parlament auf
Europa hat die Wahl

Tausende haben am vergangenen Sonntag wie hier in Frankfurt am Main für ein Europa und gegen Nationalismus demonstriert. Nach Veranstalterangaben gingen in 42 europäischen Städten Menschen auf die Straße.
  • Tausende haben am vergangenen Sonntag wie hier in Frankfurt am Main für ein Europa und gegen Nationalismus demonstriert. Nach Veranstalterangaben gingen in 42 europäischen Städten Menschen auf die Straße.
  • Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Die beiden großen Kirchen in Deutschland rufen die Bürger auf, am 26. Mai an der Europawahl teilzunehmen. Auch die leitenden Geistlichen der mitteldeutschen Landeskirchen unterstützen den Wahlaufruf zur Europawahl am Sonntag.

Rentzing: Verantwortung wahrnehmen

Die sächsische Landeskirche rufe ausdrücklich dazu auf, "vom Wahlrecht Gebrauch zu machen und die Zukunft unseres Landes in freien Wahlen mitzubestimmen", heißt es in einem in Dresden verbreiteten Wort von Landesbischof Carsten Rentzing. Der Aufruf wird nach Angaben der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche auch als Kanzel-abkündigung in allen Gemeinden in denSonntagsgottesdiensten verlesen. Seine Stimme abzugeben heiße heute alles andere als sprachlos zu sein, erklärt Rentzing in der Abkündigung. "Wir neh-men Verantwortung wahr und bringen unsere Stimmen ein, wenn wir wählen", so der Bischof. Am Sonntag "sind wir dazu aufgefordert, das bei den Wahlen für unsere unmittelbare Heimat und in Europa zu tun", fügte er hinzu.

Junkermann: Friedens- und Versöhnungsprojekt

Zuvor hatte schon die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, in einem Schreiben an die Gemeinden zur Wahl eingeladen. „Die bevorstehende Wahl zum Europäischen Parlament gilt vielen als Schicksalswahl. Die EU steht vor zahlreichen Herausforderungen und Unsicherheiten. Einige Parteien, die zur Wahl stehen, wollen die europäischen Institutionen schwächen oder abschaffen. Ihnen zu gute kommt die traditionell schwache Wahlbeteiligung bei Wahlen zum EU-Parlament“, schrieb Junkermann in dem Brief. Demgegenüber sei es umso wichtiger, an die EU als ein Friedens- und Versöhnungsprojekt zu erinnern, in dem Vielfalt gelebt werden kann. „Wir müssen die Europawahlen als Möglichkeit nutzen, Europa aktiv mitzugestalten im Sinne des eingeschlagenen Weges der Versöhnung, des friedlichen Miteinanders und des Einsatzes für die Menschenrechte“, so die Landesbischöfin.

Liebig: Nur in der Gemeinschaft zukunftsfähig

Junkermann unterstützt zusammen mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, den Wahlaufruf von Landtag und Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Liebig wird dort mit den Worten zitiert: "Nur in der Gemeinschaft der Europäischen Staaten wird Europa zukunftsfähig." Liebig bezeichnete es als ein großes Privileg, im Gegensatz zu seinen Eltern und Großeltern keinen Krieg selbst miterlebt zu haben. Das sei zu wesentlichen Teilen ein Verdienst der Europäischen Union und ihrer Vorgänger.
"Ganz persönlich möchte ich, dass weder ich noch meine Kinder oder Enkelkinder andere, schlechtere Erfahrungen machen. Darum ist es für mich selbstverständlich, zur Europawahl auch von meinem Wahlrecht Gebrauch zu machen und damit die europäischen Institutionen zu stärken", so der Kirchenpräsident. Kirchen dächten seit jeher über nationale Grenzen hinaus und stünden in engem Kontakt zu zahlreichen Partnerkirchen in Europa und darüber hinaus.

Gemeinsamer Appell der Kirchen

„Machen Sie Europa und die Zukunft der Europäischen Union zu Ihrer und zu unserer gemeinsamen Sache!“, heißt es in einem Appell des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Die Europawahl sei eine Richtungswahl, betonen Marx und Bedford-Strohm: „Wollen wir ein demokratisches, wertebasiertes und weltoffenes oder ein nationalistisches, autoritäres und undemokratisches Europa?“
Die Kirchen bekennen sich zu ersterem. Die Einigung Europas sei ein Friedensprojekt, das nach zwei schrecklichen Weltkriegen mit vielen Millionen Opfern Hoffnung auf ein Zusammenleben der Völker im Geist wechselseitiger Kooperation und Verbundenheit verkörperte“, erklären die Kirchenoberen.
EKD und katholische Kirche verweisen auch darauf, dass „die europäischen Werte und Prinzipien“ wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit mit den grundlegenden christlichen Werten korrespondierten. Zugleich riefen sie „die politisch Verantwortlichen dazu auf, die Idee eines sozialen, nachhaltigen und demokratischen Europas wieder näher an die Menschen, gerade die junge Generation, zu bringen“.
(epd/red)

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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