Klagen gegen Gottesdienstverbot abgetan
"Das Maß ist voll!"

Gottesdienste mit Gemeinde sind in Deutschland zurzeit verboten. Während Kirchenleitungen dieses Verbot bislang unterstützen, ist an der Basis Unmut und Widerstand auszumachen.

Kai Weber, Pfarrer in der Kirchengemeinde Möschlitz bei Schleiz, fragte in einer Rundmail an kirchliche Mitarbeiter im Kirchenkreis: "Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen, dass man uns verbietet, den Glauben zu leben?" Die Empfehlung von Superintendentin Heidrun Killinger-Schlecht, jetzt auch die Kirchentüren zu schließen und damit ein "Begehungsverbot" auszusprechen, brachten bei ihm das Fass zum Überlaufen. "Das Maß ist voll!", so Weber.
Der Vorsitzende der Pfarrergesamtvertretung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD), Pfarrer Martin Michaelis, kritisiert auf der Internetseite des Thüringer Pfarrvereins, dass das Verbot ohne Beteiligung der Gemeinden, der Synoden und der Pfarrerschaft verfügt worden sei. Er vermisse die theologische und geistliche Auseinandersetzung. "Einsamen, Alten, Kranken, Sterbenden an der Schwelle zum ewigen Leben, ob mit oder ohne Corona-Infektion, sollen geistlicher Zuspruch, die Sakramente und der Kontakt zu ihren Liebsten vorenthalten werden."
Dass das von Kirchenleitenden als ein "Erfordernis der Nächstenliebe" bezeichnet werde, rüttele nach den Worten von Michaelis "an den Grundfesten des Glaubens und der Kirche, wie wir sie seit der Reformation verstehen, kennen, lieben und leben". Es gehe darum, zu klären, "wie unter den jetzigen Gegebenheiten und Herausforderungen geistliches Leben weitgehend gefahrlos geschehen kann, ja muss".
Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink formuliert es in der "Welt am Sonntag" so: "Eine Streichung der Ostergottesdienste hat es seit Menschengedenken nicht gegeben." Und weiter: "Man kann auf zwei Seiten vom Pferd fallen. Auch alte Menschen brauchen nicht nur den Schutz, der häufig mit Isolation einhergeht, sondern ebenso Nähe und Mitmenschlichkeit."
Der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig hält im selben Beitrag den Protest gegen Kirchenschließungen und die Klagen von Gemeinden gegen die behördliche Einschränkung der Religionsfreiheit für "zuweilen ja durchaus sympathischen Widerstandskitsch im organisierten Protestantismus".
Für Kai Weber geht es in seinem "Brandbrief" um die ureigenen Elemente der Christusnachfolge, die den Menschen derzeit vorenthalten würden. Er ruft daher zum Widerstand gegen die angeordnete Schließung auf. "Lasst die Kirchentüren offen stehen, sodass niemand die Klinke berühren muss. Lasst uns Andacht feiern mit wenigen Leuten", bittet er. Der Pfarrer ruft in dem Schreiben zu Mut und Ideen auf, "gerade inmitten der Krise Gemeindeleben zuzulassen".
Die Resonanz auf seine Rundmail an die "Glaubensmitstreiterinnen und -mitstreiter" sei nach eigenen Aussagen dürftig. Trotzdem wolle er weiter für "Gemeinschaft und Abendmahl" kämpfen.

Willi Wild

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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