EKM unterstützt Weiterbildung für Lehrer
Antisemitismus im Schulalltag
- Rege Diskussionen bei der Fortbildung für Lehrer zum (christlichen) Antisemitismus
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Antisemitismus hat viele Gesichter – und eine lange Geschichte.
Von Thomas Nawrath
In einer Fortbildung für Lehrkräfte wurde das Thema jüngst am Magdeburger Dom vertieft. Seminarleiterin Susanne Riemer-Ranscht vom Lehrerbildungsinstitut Sachsen-Anhalt (Lisa) und Bettina Seyderhelm, Referentin Kunst- und Kulturgut im Landeskirchenamt der EKM wiesen dabei auf die lange Geschichte christlicher Kritik an Juden hin.
Am Ende des 11. Jahrhunderts kam es während der Kreuzzüge auch zu gewaltsamen Pogromen gegen Juden, unter anderem in Speyer und Mainz. Ein markanter Einschnitt erfolgte 1215 mit dem Vierten Laterankonzil, das als das bedeutendste Konzil des Mittelalters gilt.
"Juden sollten nun besondere Kleidung tragen", erläuterte Bettina Seyderhelm. "Das schlug sich in den Darstellungen jüdischer Menschen in biblischen Geschichten nieder, zum Beispiel in den bekannten Kegelhüten", die sich in der Folge auf Bildern oder Plastiken zu biblischen Geschichten finden.
Im Magdeburger Dom schauten sich die Seminarteilnehmer die Darstellungen von "Synagoga" und "Ekklesia" mit ihren typischen Merkmalen wie Blindheit und Machtlosigkeit bei der jüdischen Synagoge an. Zudem gibt es im Dom eine antijüdische Schmähplastik, eine sogenannte Judensau-Darstellung wohl aus dem 13./14. Jahrhundert.
Insgesamt seien etwa 50 solcher Schmähplastiken in Mitteleuropa bekannt, sagte Seyderhelm. Am stärksten diskutiert wurde über jene an der Wittenberger Stadtkirche, wo auf Betreiben der Kirchengemeinde seit 1988 ein Mahnmal eine Distanzierung von dieser judenfeindlichen Darstellung vornimmt.
"Viele Experten halten es für richtig, solche Bilder nicht einfach zu beseitigen, sondern sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. In Wittenberg, aber auch in Calbe gab es solche überzeugenden künstlerischen und inhaltlichen Auseinandersetzungen", erläuterte die Kunstexpertin.
"Unser Seminar soll dazu beitragen, Lehrer zu sensibilisieren", sagte Simon Rumlich vom Koordinierungszentrum deutsch-israelischer Jugendaustausch. Die Pädagogen sollten sprachfähig sein, wenn es antisemitischen Aussagen in der Schule komme. "Vor allem auf Social-Media-Kanälen gedeihen die wildesten Verschwörungstheorien. Oft sind das bereits seit dem Mittelalter bekannte Verleumdungen, etwa, dass Juden das Trinkwasser vergiften würden", ergänzte Rumlich.
Mehrere Lehrer erzählten auch von Beispielen aus ihrem Schulalltag. So werde der Begriff "Jude" als Schimpfwort gebraucht. Auch "Judenwitze" oder die Gleichsetzung des israelischen Kampfes gegen die Hamas mit dem Holocaust der NS-Zeit sei zu beobachten.
Nach Angaben der Meldestelle für Antisemitismus (RIAS) wurde mit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 ein sprunghafter Anstieg antisemitischer Delikte registriert. Ihre Zahl sei bundesweit von 4886 Vorfällen im Jahr 2023 um 77 Prozent auf 8627 im Jahr 2024 angewachsen, darunter mehrere Hundert Gewaltdelikte.
Auch eine Zunahme rechtsextreme Vorfälle wurde registriert. In Sachsen-Anhalt wurden an den Schulen im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums 149 solcher Straftaten bekannt.
Diese Entwicklung hat die meisten Lehrer im Seminar überrascht – und die Aktualität des Themas verdeutlicht. Vor allem auf Social-Media-Kanälen gedeihen die wildesten Verschwörungstheorien.
Autor:Thomas Nawrath |
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