Inklusives Café am Bahnhof Gotha
Pünktlich am Zug
- Plant für 2029: Michael Fischer von der Diakonie Gotha. Nach dem Umbau soll in das Bahnhofsgebäude ein inklusives Café einziehen.
- Foto: Foto: Klaus-Dieter Simmen
- hochgeladen von Online-Redaktion
Der Bahnhof in Gotha war einer der prachtvollsten in Deutschland. Die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte das Gebäude jedoch zum Sanierungsfall gemacht. In den nun geplanten Umbau ist auch die Diakonie Gotha einbezogen.
Von Klaus-Dieter Simmen
Der Bahnhof in Gotha ist nicht nur das älteste noch erhaltene Bahnhofsgebäude im Freistaat, sondern gehört zu den ältesten Deutschlands überhaupt. Vom Glanz vergangener Tage jedoch ist nichts mehr geblieben. Der Bombenangriff am 6. Februar 1945 verursachte große Schäden, der Zahn der Zeit tat ein Übriges. Reisende, die hier aus dem Zug steigen, haben es eilig, die ungastliche Bahnhofshalle hinter sich zu lassen. Michael Fischer gehört zu den Menschen, die einen anderen Bahnhof sehen: einen mit wiedererstandenem Westflügel, in dem sich ein hübsches Café befindet, wo nicht nur Reisende bewirtet werden, und wo Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz finden können.
Als die Stadtverwaltung die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäude in Angriff nahm, kristallisierte sich der Bodelschwingh-Hof Mechterstädt früh als Partner heraus. „Das dort geplante Café zu betreiben, passt natürlich in unser Konzept“, sagt Fischer. Der Bereichsleiter ist bei der Diakonie Gotha, unter deren Dach der Bodelschwingh-Hof arbeitet, verantwortlich für alternative Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der geschützten Werkstätten. Natürlich betrete man damit Neuland, gesteht Fischer. Deshalb sei es unabdingbar, sich frühzeitig in dieses Thema einzuarbeiten.
Dank der Aktion Mensch bekam die Diakonie die Mittel für eine Vorlaufförderung, um Konzeption, Marktforschung und Partnerfindung zu finanzieren. „Zwar ist bis zur geplanten Eröffnung 2029 noch viel Zeit“, sagt Fischer, „doch die vergeht bekanntlich rascher als angenommen.“ Um alle Facetten zu beleuchten, hat sich die Diakonie mit der Dehoga Thüringen einen kompetenten Partner an die Seite geholt. Der Unternehmerverband für das Thüringer Gastgewerbe berät bei Neugründungen und rechnet die Kosten durch.
Cafés, die von Menschen mit Behinderungen betrieben werden, gibt es längst. Deshalb müssen die Mechterstädter das Rad nicht noch einmal erfinden. „In Aalen ging 2003 ein entsprechendes Pilotprojekt an den Start“, erzählt Michael Fischer. „Das gestaltete sich so erfolgreich, dass schon 2006 unter dem Namen ,Samocca‘ erste Franchise-Betriebe eröffnet wurden. Mittlerweile arbeiten bundesweit 13 Cafés unter diesem Namen erfolgreich mit behinderten Mitarbeitern. 2023 eröffnete im Stadtzentrum von Weimar ein "Samocca" – das erste Café dieser Art in Thüringen. Getragen wird es von der Diakoniestiftung Thüringen als Gemeinschaftsprojekt von inclusio Weimar und Diakonie Landgut Holzdorf.
„In Gotha wird dann ein weiteres folgen“, blickt Fischer voraus. Die Diakonie als Partner dieses umfassenden Sanierungskonzeptes ist von Anfang an in die Planungen eingebunden. So hatte Andreas Nürnberger als Kaufmännischer und technischer Gesamtleiter Teilhabe am Arbeitsleben eine Stimme bei der Auswahl des Architekturbüros. Auch werden Details beim Wiederaufbau des Gebäudeteils, in dem das Café mit rund 80 Plätzen entstehen wird, mit dem künftigen Betreiber abgesprochen.
Neben der baulichen Seite haben die "Samocca"-Cafés für die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung eine besondere Bedeutung: „Mit diesem Projekt wollen wir zeitgemäße Ansätze der Behindertenhilfe umsetzen“, sagt Vorstand Thomas Gurski. „Es geht um Selbstbestimmung und Normalisierung, Schaffung neuer Arbeitsfelder und Integration von Menschen mit Behinderung in Arbeitsabläufe des alltäglichen Lebens.“
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.