40. Todestag von Lothar Kreyssig
Ein Licht in der Dunkelheit Deutschlands

Lothar Kreyssig (1898-1986) | Foto: epd-bild / Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
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Am Sonntag (5.7.2026) jährt sich der Todestag des Begründers der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst, Lothar Kreyssig, zum 40. Mal. Bereits in der Zeit des Nationalsozialismus hat er als Richter Zivilcourage gezeigt.

Von Thomas Nawrath

Magdeburg. „Lothar Kreyssig war ein großartiger Mensch, der gerade und klar gestanden ist, und in Zeiten der Dunkelheit in Deutschland eine Figur des Lichts war“, sagt der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer. Wie ist das möglich? Der 1898 im sächsischen Flöha geborene Jurist war in der Zeit des Nationalsozialismus Richter und hatte noch vor Hitlers Machtergreifung NSDAP gewählt. Der 40. Todestag von Lothar Kreyssig (1898-1986) lenkt den Blick auf seine Biografie und das, was er Bleibendes hinterlassen hat.

Am 5. Juli 1986 starb Kreyssig in Bergisch Gladbach. „Sein Name steht für Mut zum Widerspruch gegen Unrecht, für die Verteidigung der Menschenwürde und für die Überzeugung, dass Versöhnung stärker sein kann als Hass und Gewalt“, sagt etwa der Vorsitzende des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises, Stephan Hoenen. Kreyssig hatte sich nach kurzer Zeit gegen das NS-System gestellt und trat 1934 als evangelischer Christ der Bekennenden Kirche bei. Deshalb betrieben die Nationalsozialisten wiederholt Ermittlungsverfahren gegen ihn - doch erfolglos.

Mensch geblieben in schwieriger Zeit

1940 erfuhr Kreyssig von Hitlers Euthanasieprogramm, bei dem etwa 70.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen durch Giftgas ermordet wurden. Daraufhin stellte er Strafanzeige - als einziger von 14.000 Richtern und Staatsanwälten in Deutschland, erinnert Kramer. Daraufhin sei er aus dem Dienst entfernt worden.

Dennoch versteckte er auf seinem Hof bis zum Kriegsende Juden - wofür er und seine Frau 2018 posthum von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte der Völker“ geehrt wurden. Kreyssigs Leben zeigt, „dass selbst schwerste Konflikte nicht das letzte Wort behalten dürfen“, ergänzt Hoenen.
Begründer der Aktions Sühnezeichen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Christ zu einem Wegbereiter der Versöhnung. Zunächst als Mitarbeiter der evangelischen Kirche in Magdeburg. Aber auch in der ökumenischen Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und über die Grenzen der entstehenden beiden deutschen Staaten hinweg.

Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen im Juli 1962 in Magdeburg. Der Einladung von Sühnezeichen-Gründer Lothar Kreyssig waren damals 70 Jugendliche in die Domstadt Magdeburg gefolgt, um für zwei Wochen drei der zahlreichen Kirchenruinen zu enttrümmern. | Foto: epd-bild / Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
  • Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen im Juli 1962 in Magdeburg. Der Einladung von Sühnezeichen-Gründer Lothar Kreyssig waren damals 70 Jugendliche in die Domstadt Magdeburg gefolgt, um für zwei Wochen drei der zahlreichen Kirchenruinen zu enttrümmern.
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„Mit seiner Initiative zur Gründung von Aktion Sühnezeichen im April 1958 setzte Kreyssig ein Zeichen, das weit über Deutschland hinaus Wirkung entfalten sollte“, blickt Stephan Hoenen zurück. Aus der Erkenntnis deutscher Schuld sei die Bereitschaft zu Verantwortung, Begegnung und Versöhnung erwachsen. „Tausende junge Menschen haben seither in diesem Geist Brücken zwischen Nationen, Religionen und Generationen gebaut“, betont Hoenen. Neben der bis heute wichtigen und wertvollen Arbeit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste verfolgt auch der alle zwei Jahre in Magdeburg vergebene Lothar-Kreyssig-Friedenspreis die Werte seines Namensgebers.

Impulsgeber für die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“

Wie Bischof Kramer erinnert, gründete Lothar Kreyssig zudem die „Aktionsgemeinschaft für die Hungernden“, aus der 1959 das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ entstand. „Schon vor über 70 Jahren hat er Fragen von Gerechtigkeit, Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und Menschenrechte aufeinander bezogen. All diese Themen gehörten für ihn zusammen und fordern auch heute noch Kirche zum aktiven Engagement heraus“, ergänzt Jens Lattke, der Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums der mitteldeutschen Landeskirche. Mit den Worten „man kann es einfach tun“ rief Kreyssig zum Handeln auf, wo seine Zeitgenossen sich bisweilen hinter schönen Worten versteckten.

Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der EKM am Dom zu Magdeburg. | Foto: Foto: Thomas Nawrath
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Martin Kreyssig, der Enkel Lothar Kreyssigs, erinnert angesichts aktueller Entwicklungen an dessen Vermächtnis: „Christliche Friedensverantwortung bedeutet weder Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht noch den Verzicht auf Solidarität mit den Angegriffenen. Wo Menschen unterdrückt, verfolgt oder ihrer Freiheit beraubt werden, sind alle Menschen aufgerufen, ihre Stimme zu erheben.“ Das sei auch für die kommenden Preisverleihung des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises im Herbst 2027 das Credo, ergänzte der Kuratoriumsvorsitzende Hoenen.

epd

Lothar Kreyssig (1898-1986) | Foto: epd-bild / Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen im Juli 1962 in Magdeburg. Der Einladung von Sühnezeichen-Gründer Lothar Kreyssig waren damals 70 Jugendliche in die Domstadt Magdeburg gefolgt, um für zwei Wochen drei der zahlreichen Kirchenruinen zu enttrümmern. | Foto: epd-bild / Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Jugendliche beim Enttrümmern einer Kirchenruine beim ersten Sommerlager der Aktion Sühnezeichen im Juli 1962 in Magdeburg. Der Einladung von Sühnezeichen-Gründer Lothar Kreyssig waren damals 70 Jugendliche in die Domstadt Magdeburg gefolgt, um für zwei Wochen drei der zahlreichen Kirchenruinen zu enttrümmern.  | Foto: epd-bild / Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Die erste Gruppe der Aktion Sühnezeichen arbeitete im Sommer 1965 im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Auf dem Bild v.l.: Günter Särchen, Präses Lothar Kreyssig und Pfarrer Wolfgang Globisch aus Nysa. | Foto: picture alliance / Zoonar / Konrad Weiß
Eine Gruppe von 21 Jugendlichen aus Hannover leisten im Rahmen der Aktion Sühnezeichen im Juli 1970 Dienste im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Majdanek bei Lublin (Polen).  | Foto: picture-alliance/ dpa
Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der EKM am Dom zu Magdeburg. | Foto: Foto: Thomas Nawrath
Autor:

Thomas Nawrath

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