Prädikanten
Lückenfüller und Bereicherung

Festgottesdienst: Annegret Freund (2. v. r.) ist in der Erfurter Augustinerkirche von Landesbischof Friedrich Kramer (l.) und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann (r.) als Rektorin verabschiedet, Michael Markert als Rektor eingeführt worden. Eine Bildergalerie des Gottesdienstes gibt es im Portal www.meine-kirchenzeitung.de
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  • Festgottesdienst: Annegret Freund (2. v. r.) ist in der Erfurter Augustinerkirche von Landesbischof Friedrich Kramer (l.) und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann (r.) als Rektorin verabschiedet, Michael Markert als Rektor eingeführt worden. Eine Bildergalerie des Gottesdienstes gibt es im Portal www.meine-kirchenzeitung.de
  • Foto: Matthias Frank Schmidt
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Welche Theologie braucht die ehrenamtliche Verkündigung? Diese Frage stand über der Tagung anlässlich des Jubiläums des Kirchlichen Fernunterrichts (KFU). Dozenten und Absolventen suchten gemeinsam nach Antworten.

Von André Poppowitsch

Ursprünglich war das Symposium zum 60-jährigen Bestehen für den Herbst 2020 geplant und musste pandemiebedingt verschoben werden. Jetzt konnte die Feier zum runden Geburtstag des KFU unter dem Titel „60+1 Jahre Kirchlicher Fernunterricht“ am vergangenen Wochenende in Erfurt nachgeholt werden. Im Mittelpunkt des Symposiums standen Workshops zu fünf Themenbereichen, in denen die Fächer des KFU – Altes und Neues Testament, Systematische und Praktische Theologie sowie Kirchengeschichte – gestreift wurden.

Höhepunkt war der Festgottesdienst mit der Einführung von Michael Markert als Rektor des KFU. Der 57-jährige Theologe war bisher Referent im Pastoralkolleg Meißen und Studienleiter im KFU. Er folgt auf Annegret Freund, die im Gottesdienst als Rektorin des KFU verabschiedet wurde. Die 64-jährige habilitierte Theologin hat bereits im vergangenen Jahr eine Pfarrstelle im Pfarrbereich Orlamünde (Kirchenkreis Eisenberg) angetreten.

Der KFU genießt über die Grenzen der mitteldeutschen Landeskirchen hinaus den Ruf der anspruchsvollsten Prädikantenausbildung in der evangelischen Kirche. Dass dies so ist, war bei seiner Gründung keineswegs absehbar. Der KFU nahm 1960 unter dem Dach der Männerarbeit in der Kirchenprovinz Sachsen seine Arbeit auf. Dies geschah unter dem Einfluss einer repressiven Kirchenpolitik der DDR, die sich u. a. im Mangel an Pfarrern, Theologiestudenten und theologisch gebildeten Gemeindegliedern äußerte. Mancher Oberkonsistorialrat sah den KFU jedoch als „tot geborenes Kind“ an, das kaum Überlebenschancen zu haben schien.


"Predigt so, wie ihr in der Kneipe ein Bier bestellt"

Heute, 60 Jahre später, ist der KFU als Einrichtung der EKM etabliert. Seit der Gründung haben etwa 2600 kirchliche Laien Kurse im KFU belegt. Alle zwei Jahre legen an die 50 ehrenamtliche Verkündiger das Examen ab, um Prädikant werden zu können.

Was die Prädikanten in ihrem Ehrenamt letztendlich für die Kirchengemeinden bedeuten, wird seit langem diskutiert. Von „Lückenbüßer“, „Lückenfüller“, „Pfarrer light“ bis zur wertvollen Ergänzung und Bereicherung des Verkündigungsdienstes reicht die Spanne. In Folge sinkender Pfarrerzahlen, Nachwuchssorgen im Hauptamt und ausgedehnten Pfarrbereichen scheint den Verkündigern im Ehrenamt zukünftig eine größere Bedeutung zuzukommen.

Thematisiert wurde diese Frage bei einem Podiumsgespräch. Obwohl Lücken nicht nur im Verkündigungsdienst spürbar sind, als „Lückenbüßer“ sollen die Absolventen des KFU nicht angesehen werden. Für Christian Fuhrmann, Dezernent für Bildung und Gemeinde im Landeskirchenamt, ist die Kirche auf das Ehrenamt angewiesen. Der ehrenamtliche Verkündigungsdienst habe dabei ein ganz eigenes Profil. Auch Karl-Wilhelm Niebuhr, Professor für Neues Testament an der Universität Jena, geht es dabei nicht um die Relation zwischen Haupt- und Ehrenamt. Er betont den Auftrag aller Getauften, die Frohe Botschaft zu verkünden. Das Evangelium will verkündigt werden, und das gelte im Prinzip für alle Gemeindeglieder.

Im KFU soll die Sprachfähigkeit von Christen geschult werden, von ihrem Glauben zu erzählen und das Evangelium fundiert zu vermitteln. Die Lebenserfahrung der Prädikanten und ihre unterschiedlichen Hintergründe in Beruf, Bildung und Familie machten ihren Dienst wertvoll, so die einhellige Meinung auf dem Podium. Wolfgang Menz, Prädikant in Leipzig, will nicht als "kleiner Pfarrer" unterwegs sein. Prädikanten brauchten ihre eigene Würde und sollten Gottesdienste halten, "dass Menschen von draußen verstehen, was geschieht.“ Vereinfacht ausgedrückt, brachte er es auf die Formel: "Predigt so, wie ihr in der Kneipe ein Bier bestellt."

Welche Theologie es für das Ehrenamt braucht, ob sie „von oben“ in den Hörsälen oder „von unten“ in den Gemeinden entsteht, sei nicht entscheidend, so Karl-Wilhelm Niebuhr: „Kirche lebt nicht von Theologie. Sie lebt vom Wort Gottes, das uns nahekommt. Die Theologie ist da erst einmal sekundär. Sie wird die Kirche nicht retten, egal ob sie von oben, unten, rechts oder links kommt.“ Diese Erfahrung hat auch KFU-Absolventin Anne Veit: „Gemeinde lebt von dem, was in ihr passiert. Es entsteht Neues, weil ich mit meiner Sprachfähigkeit da bin und mich mit meinen Gaben einbringe.“

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