Gera: Ökumenische Akademie lädt 2019 zu »Fremdenführungen«
Hören, aushalten, verstehen

Das neue Veranstaltungsprogramm der Ökumenischen Akademie Gera legt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf das Thema seelische Gesundheit, es wird ein Kunst-Projekt geben, das sich mit den Problemen des ländlichen Raums beschäftigt und eine Reihe politischer Stadtrundgänge. Beatrix Heinrichs sprach mit Akademieleiter Pfarrer Frank Hiddemann.

Sie sind einer der wenigen in Deutschland, die AfD-Politiker zu einer öffentlichen Diskussion einladen. Wie ist das Format angekommen?
Frank Hiddemann:
Zum Start der Reihe gab es viel Gegenwind aus den eigenen Reihen. Die Idee war da, ein erster Termin gefunden. Nur stand ich vor dem Problem, dass ich keine Leute finden konnte, die das machen wollten. Gerade höherrangige Vertreter der etablierten Parteien waren sehr zurückhaltend. Erst auf unterster Kreisebene gab es Politiker, die sich auf das Format einlassen wollten. Im Laufe des Jahres ist die Akzeptanz spürbar gestiegen. Besonders dort, wo es zunächst die stärksten Kritiker gab – in der Kirche.

Sie waren mit dem Vorwurf konfrontiert, als Kirchenvertreter der AfD ein Podium zu bieten …
Hiddemann:
Wer so formuliert, hat eine Weltsicht, die zwischen den »Guten« und den »Bösen« unterscheidet und nur die »richtigen« Meinungen öffentlich machen will. Wer wie wir Demokratie unter erschwerten Bedingungen leben will, muss mit dieser Ausgrenzung aufhören. Gerade die Fähigkeit Ambivalenzen auszuhalten und das Leben in seiner Kompliziertheit anzunehmen ist ein Stück demokratische Kultur.

Welche Ambivalenz-Erfahrungen erwartet die Akadiemie-Besucher in diesem Jahr?
Hiddemann:
Neben der Akademie am Vormittag und den Glaubenskursen wird es in sieben Dorfkirchen ein Kunst-Projekt mit Politik-Abenden geben. Dazu Vorträge und Gespräche zu Themen der seelischen Gesundheit. Das Akademieprogramm will wahrnehmen was ist, fragen, hören, verstehen, was die Menschen beschäftigt.

Ein besonderer Programmpunkt sind die »Fremdenführungen« durch Gera. Was hat es damit auf sich?
Hiddemann:
Integration war von Anfang an einer unserer Schwerpunkte. Wenn man Menschen ereichen will, kommt es hier sehr auf das Format an. Mit den »Fremdenführungen« ermuntern wir Leute aus Gera, ihre Neugier auf das Fremde, das Andere auszuleben – direkt vor der eigenen Haustür. Konzipiert hat die Stadtspaziergänge die Geraer Autorin Jana Huster. Insgesamt acht Führungen wird es 2019 geben, die einen Blick auf Geschichte und Gegenwart von »Fremden« in unserer Heimat bieten.

Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Angebot?
Hiddemann:
Eine Führung ist ein geschützter Rahmen. Entscheidend ist, dass die Spaziergänge persönliche Begegnungen ermöglichen. Denn die sind es, die den Blick auf stereotype Haltungen verändern und so Integration schaffen.

16. Januar, 10 Uhr, Lutherhaus Gera: Jana Huster liest aus ihrem Buch »Flüchtige Begegnungen«
www.oek-akademie-gera.de

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