Kommentar
Hände falten und handeln

Von Benjamin Lassiwe

Auf den ersten Blick brechen für die Kirchen schwere Zeiten an: Gut die Hälfte ihrer Mitglieder und gut die Hälfte ihrer Kaufkraft werden sie bis 2060 verlieren. Das bedeutet: Radikale Veränderungen stehen bevor. Nicht alles, was man sich heute noch leistet, wird künftig noch möglich sein. Nicht überall wird es noch hauptamtliche Mitarbeiter geben können, nicht jedes lieb gewonnene Gebäude wird zu halten sein.
Zu lange haben die beiden großen Kirchen nicht auf Mission gesetzt. Zu lange war es eher „pfui“, Menschen direkt auf die Taufe anzusprechen. Zu lange war man lieber unter sich, statt mit Kirchenfernen aktiv ins Gespräch zu kommen. Wo sind die Transparente am Kirchturm, die auf Gottesdienste hinweisen? Wo sind die Faltblätter in Hotels und Pensionen, die Urlauber auf die örtlichen Gemeinden hinweisen? In einer großen Landeskirche wurde einmal der Begriff der „So-da-Gemeinden“ geprägt: Gemeinden, die eben irgendwie „so da“ sind, ohne dass irgendwer weiß, was sie eigentlich machen. Solche Gemeinden werden bis 2060 untergehen, das ist wohl sicher.
Aber die neue Studie aus Freiburg macht auch Hoffnung. Denn sie sagt sehr klar: Nur 21 Prozent des Mitgliederverlustes sind demografisch bedingt. Gegen die anderen 28 Prozent ist ein Kraut gewachsen: Lebendige Kirchengemeinden, die mit ihren Angeboten für die Menschen da sind und sie auf ihrem Weg durchs Leben unterstützen, werden auch künftig Zulauf haben. Engagierte Christen, die ihren Glauben in die Gesellschaft hineintragen, werden auch künftig sichtbar sein. Auf den zweiten Blick nämlich haben es die Kirchen mit Gottes Hilfe selbst in der Hand, wie es bis 2060 weitergeht. Sie müssen nur zwei Dinge tun: die Hände falten – und dann aber auch handeln.

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