Leinefelde
»Es braucht Leute, die auf Gott zugehen«
- Rockt den Gottesdienst: Der 31-Jährige Samuel Golling ist Pfarrer in Leinefelde im Eichsfeld.
- Foto: Reiner Schmalzl
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Pfarrer sei nicht sein erster Berufswunsch von Samuel Golling gewesen.
Von Reiner Schmalzl
Dass seine Berufung gleich aus mehrerlei Hinsicht vorgezeichnet schien, wollte Samuel Golling nie so richtig wahrhaben. Beide Großväter waren Pfarrer, und der Enkel wuchs in einem christlich geprägten Elternhaus auf. Der Junge machte beim Krippenspiel mit, schloss sich dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) an, war mit der Gitarre in vielen Bands und innerhalb der musikalischen Jugendarbeit unterwegs. Und doch habe er sich eine gewisse Zeit von Jesus entfernt, erzählt Samuel Golling. Erstaunlicherweise hätten ihm einst Freunde gesagt: Du wärst der richtige Pfarrer! »Das hat mich rasend gemacht«, blickt der 31-Jährige zurück. Pfarrer sei nie direkt sein Berufswunsch gewesen. »Gott spielte für mich eine Zeit lang überhaupt keine Rolle.«
Seit Mai letzten Jahres ist er nun der neue Pfarrer für Leinefelde und Dingelstädt im Kirchenkreis Mühlhausen. Wie kam es aber zur Umkehr – oder besser: Rückkehr zum Glauben? Da gab es tatsächlich jenen Schlüsselmoment, erinnert sich Golling. Als 16-Jähriger habe er einmal eine betende Frau beobachtet. »Es wirkte so vertraut, als ob Jesus mit im Raum ist. Das hat mich so fasziniert«, sagt Golling.
Da fing er wieder selbst an zu beten und sei auf einen Schlag mit Gott und der Welt versöhnt gewesen. »In diesem Moment ist mir Jesus tatsächlich begegnet«, erinnert sich der Pfarrer.
Samuel Golling stammt aus Cottbus und wuchs in Schönebeck bei Magdeburg auf. Verschiedene Stationen hätten sein Christsein geprägt, sagt er. So der Zivildienst beim CVJM im baden-württembergischen Esslingen mit der offenen Jugendarbeit. Danach ging er zum Theologiestudium nach Halle und Leipzig. Nach seinem Examen hat Samuel Golling noch ein Jahr lang an der Uni in Leipzig gearbeitet und Theologiestudenten begleitet, bevor es ihn zurück in die alte Heimat Schönebeck für ein zweijähriges Vikariat zog.
»Wenn es irgendwie mit der Kirche vorwärts gehen soll, dann braucht es Leute, die auf Gott zugehen und unter der ganzen Woche so leben, wie es Gott gefällt«, sieht der junge Pfarrer den Sinn seines jetzigen Wirkens, für das er zunächst für drei Jahre ins Eichsfeld entsandt worden ist. Danach entscheiden die Gemeinde und er über eine dauerhafte Bewerbung für die Pfarrstelle Leinefelde-Dingelstädt. Diese umfasst momentan knapp 1 700 Gemeindemitglieder. Zum Pfarrbereich gehören Leinefelde, Dingelstädt und Küllstedt sowie Helmsdorf. Viele Gläubige kommen zudem auch aus den umliegenden Dörfern.
Dass er als evangelischer Pfarrer im Eichsfeld mitten im Kerngebiet des katholischen Bistums Erfurt wirkt, stellt für Golling keine besondere Herausforderung dar. »Alles, was gemeinsam ökumenisch machbar ist, wird von den Pfarrern und den Gemeinden gewollt.« Alle Priester, mit denen er zu tun habe, seien ihm »großartige Brüder«. Man treffe sich regelmäßig zum Singen, Beten und Plaudern. Halt findet er schließlich in der Familie, bei seiner Frau Stefanie und den drei Kindern.
Manchmal wird er auch auf seinen biblischen Namen angesprochen. Schließlich war Samuel ein Prophet des Alten Testaments und wird in einem Atemzug mit Mose und Aaron genannt. In der Bibel ist Samuels Wirken ein Beispiel für das Spannungsverhältnis zwischen Königen und Propheten. Dies war im 11. Jahrhundert vor Christus so und ist heute aktueller denn je.
Autor:Online-Redaktion |

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