Interview
Bollwerk der Reformation
- Unter dem Titel "Unseres Herrgotts Kanzlei" zeigt die Stadtbibliothek Magdeburg anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation in Magdeburg eine Ausstellung mit Drucken aus der Frühzeit der beginnenden Kirchenspaltung. Die Schau ist bis zum Reformationstag am 31. Oktober auf allen Etagen der Bibliothek zu sehen. Besucher haben die Möglichkeit, über #%90 Objekte aus dem historischen Bestand der Stadtbibliothek zu betrachten. Darunter befinden sich Druckschriften unmittelbar aus dem 16. Jahrhundert sowie Nachdrucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Hinzu kommen Erinnerungswerke aus dem 19. Jahrhundert und der Zeit des Ersten Weltkrieges, welche die Bedeutung der Reformation für die Kirchen- und Regionalgeschichte wiedergeben. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden auch die geistigen Köpfe der Reformation.
Seit fünf Jahrhunderten bewahrt die Stadtbibliothek Frühdrucke der Reformation auf, die Belagerungen, Zerstörungen und Kriege überdauert haben. Magdeburg sei als Druckzentrum und Bollwerk der Reformation in die Geschichte eingegangen, so die Veranstalter. - Foto: Viktoria Kühne
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Vor 500 Jahren hielt Martin Luther (1483–1546) erstmals eine Predigt in Magdeburg und löste damit der Überlieferung nach die Reformation in der Stadt aus. Mit dem Berliner Historiker Wolfgang Flügel sprach Oliver Gierens darüber.
Wann kam die Reformation in Magdeburg an – erst mit Luthers Predigt 1524 oder schon früher?
Wolfgang Flügel: Wir hören immer, dass Luther mit seiner Predigt am 26. Juni 1524 die Reformation in Magdeburg eingeführt habe. Das klingt so, als hätte man einen Wasserhahn aufgedreht, und dann setzte ein reicher Schwall ein.
Die Predigt war sicherlich ein herausragender Punkt. Aber damit ist der Vorgang nicht erklärt. Vielmehr handelt es sich um einen längeren Prozess. Magdeburg zeigt idealtypisch, wie die Reformation als „Stadtreformation“ Verbreitung fand.
Autor:Oliver Gierens |
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