Impulstag der Diakonie
Nächstenliebe als Korrektiv
- Katharina Neumeister
- Foto: Foto: Stiftung Neinstedt
- hochgeladen von Beatrix Heinrichs
Unter dem Motto „Siehste!“ haben Diakonie Mitteldeutschland und EKM am 10. September zum Impulstag nach Wittenberg eingeladen. Beatrix Heinrichs sprach mit Katharina Neumeister, Dozentin für theologisch-diakonische Bildung bei der Stiftung Neinstedt und Referentin der Werkstatt "Diakonie ist Nächstenliebe".
Das Gebot der Nächstenliebe prägt das Selbstverständnis der Diakonie. Worin zeigt es sich in der diakonischen Arbeit?
Katharina Neumeister: Ob im Kindergarten oder bei der Pflege: Nächstenliebe zeigt sich da, wo Menschen füreinander da sind, einander zuhören – und für einen Moment nicht auf die Uhr gucken.
Wie viel Raum bleibt dafür angesichts von Personalmangel und Sparzwängen?
Viele Mitarbeiter kennen das Gefühl, an manchen Tagen einfach funktionieren zu müssen. Da fällt eine Kollegin aus, dort die Pause weg. Nächstenliebe ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht Schutzräume, um sich entfalten zu können. Umso wichtiger ist die theologische Bildungsarbeit, die einen Zugang vermitteln kann. Für mich ist Nächstenliebe ein Korrektiv, und der Auftrag ist in bestimmten Situationen zu hinterfragen: Wie inklusiv ist das Angebot eigentlich? Laden wir auch den Fremden ein? Und: Sind wir bereit, das ständige Effektivitäts-denken abzulegen, um mit ganzer Aufmerksamkeit bei einem Menschen zu sein?
Ist Bildungsarbeit der Schlüssel, um das diakonische Profil zu stärken?
Ich denke, sie ist ein wichtiger Teil. In der Stiftung Neinstedt veranstalten wir für neue Mitarbeiter Willkommenstage. Sie lernen den diakonischen Auftrag kennen und dessen theologischen Hintergrund. Ich stelle immer wieder fest, wie viele an der Geschichte unserer Einrichtung interessiert sind und nachfragen, auch zu Glaubensthemen mehr wissen wollen. Die Herausforderung besteht darin, eine Sprache zu finden, die auch für kirchenferne Mitarbeiter verständlich ist, ohne dabei zu banalisieren.
Wo fallen Anspruch und Wirklichkeit in der diakonischen Arbeit auseinander?
Eine Grenze ist erreicht, wo Strukturfragen die Arbeit bestimmen und Flexibilität erschweren. Was wir von unseren Mitarbeitern nicht verlangen können ist, sich mit Hingabe um ihre Klienten zu kümmern, wenn sie selbst "auf dem Zahnfleisch gehen". Aber Personalschlüssel und eine durch Landesrahmenverträge festgeschriebene Finanzierung gibt es nun mal. Daran sind auch diakonische Einrichtungen gebunden. Wichtig ist, dass Mitarbeiter ihre Grenzen kommunizieren.
Was erwarten Sie sich vom Impulstag?
Mit Erwartungen bin ich zurückhaltend. Worauf ich mich freue, ist der Bewohnerchor, der in jedem Jahr singt. Die Musik und die Atmosphäre sind toll. Da merkt man: Es bewegt, wenn etwas gemeinsam passiert.
8t1p.de/impulstag-26
Autor:Beatrix Heinrichs |
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