Der Zweifel war mein bester Freund
Über ein Buch von Andreas Reinhardt
- hochgeladen von Thomas Janda
"Der Zweifel war mein bester Freund", so lautet der Titel eines autobiographischen Buches von Andreas Reinhardt. Er beschreibt darin: "Ein Radioleben in DDR und vereintem Deutschland"
Warum sollte man das Buch lesen?
Der „Zweifel ist der Weisheit Anfang.“ Das schrieb einst der französische Philosoph und Naturwissenschaftler René Descartes. Soweit die Andeutung des philosophischen Horizonts, den der Autor für sich gewählt hat. In der Tat, das ist ein Leben, das von Erfolgen und Glück aber auch von Niederlagen und Enttäuschungen, ja, möglichen Irrwegen begleitet war, wie das jeder von uns vielleicht erlebt haben könnte.
Das Besondere?
Der Autor beschreibt sehr persönlich und anschaulich, ohne in jegliche Tiefen zu tauchen seinen Lebensweg: Kindheit in Schmalkalden und Weimar, Ausbildung in Meiningen, Familie und Beruf in Berlin. Der Beruf, der seine Berufung war: ein Leben mit und im Radio in zwei Welten, der DDR und im wiedervereinigten Deutschland. Das ist spannend und die Gefühle bewegend erzählt. Das ist die Geschichte eines Menschen aus Ostdeutschland, der sich nie als solcher gesehen hat, bis die Politik und die Medien es den Menschen im Osten eingeredet haben, dass sie aus dem Osten sind.
Pfarrer und Pfarrerinnen aus Thüringen werden ihn noch kennen, denn er hat über Jahre die kirchlichen Sprecher im Radio des MDR betreut. Doch er war kein Angehöriger einer Kirche, obwohl er in der Jugend auch Theologie studieren wollte. Er entschied sich völlig anders. Warum und wieso, darüber schreibt er auf 500 Seiten Stories, von der jede einzelne einen Bericht wert wäre. Vielen Sprechern stand er immer gern hilfreich zur Seite, um aus guten Texten noch bessere Radioansprachen zu machen.
Reinhardt berichtet über seine Schauspielerfamilie, alle standen auf den Brettern, die die Welt bedeuten: der Urgroßvater Rudolf Fuchs war ein Star bei Herzog Georg dem II. in Meiningen, die Großeltern waren Schauspieler und auch die Eltern. Mit denen stand er als Statist am Meininger Theater einmal sogar gemeinsam in einem Stück auf der Bühne. Doch zunächst verschreibt er sich der Dampflokomotive und erlernt einen Beruf im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen.
Das sollte eine prägende Zeit werden, wie man im Buch lesen kann. Auch politisch. Wird er doch so etwas, wie zum Vorzeigen für die regionale Partei der SED in Meiningen, der er nun als junger Mensch bis zur Enttäuschung im späteren Beruf in Berlin angehören wird. Das muss man gelesen haben, was da so durch den Kopf ging und was er erlebte. Mit welchen durchgeknallten Typen er es zum Beispiel bei der NVA im Grundwehrdienst zu tun bekam, wie das Studium der Journalistik ihm Höhen und Abstürze einbringen sollte, wie er als Dramaturg im DDR- Rundfunk in Berlin Feature- Produktionen begleitete und Autoren zum Erfolg verhalf, die mehr von ihm wussten, wie er nach der politischen Wende erfuhr, als er es jemals für möglich gehalten hätte. Einige dieser Geschichten lesen sich so verrückt – sind aber wahr, dass sie ein Filmdrehbuch sein könnten.
Reinhardt war gemeinsam mit Alfred Eichhorn als Reporter und Autor bei der internationalen Radfernfahrt für den Frieden von Berlin über Prag nach Warschau dabei und erlebte den atemberaubenden Erfolg des Siegers Uwe Ampler. Daraus entstand eine Sendung, die zum internationalen Radio-Wettbewerb Prix Italia eingereicht wurde. Erstmals durfte er 1989 noch vor der Maueröffnung in den Westen und kam - nicht ohne Gedanken einer politischen Flucht, die möglich gewesen wäre, wieder nach Hause zu Frau und Kindern. Was am Festivalort in Perugia passierte und wie es bei der Einreise von Italien nach Ostberlin auf dem Flughafen Schönefeld zuging.
Das sollten sie gelesen haben.
In der Wendezeit begleitete Andreas Reinharst als Journalist und Dramaturg Walter Janka, ehemaliger Chef des Aufbau-Verlages, den Stasi-Mielke im Visier hatte. Janka wurde 1957 wegen angeblicher Boykotthetze zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Jankas Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ wurde im Herbst 1989 in der DDR sehr populär. Gemeinsam mit Alfred Eichhorn sorgte Reinhardt für eine Sendung im Radio. Viele Hörerbriefe äußerten Bestürzung über die Verhältnisse in der DDR. Daraus entstand ein Buch mit diesen Briefen: „Nach langem Schweigen endlich sprechen.“
Dann kam die Wende, die Versuche, die eigene Redaktion zu retten und in ein neues Geschäftsmodell zu überführen. Umsonst. In Berlin war alles zu Ende und Reinhardt versuchte in Thüringen den Neuanfang beim "Thüringer Rundfunk" (ehemals Sender Weimar), den dann der MDR übernahm: Genau in jenem großen Sendesaal saß er dann am Schreibtisch als Chef vom Dienst, in dem er dreißig Jahre zuvor als Kind bei einer Weihnachtsfeier ein Gedicht für den Weihnachtsmann aufsagen musste, denn seine Mutter war damals als Redakteurin beim Sender Weimar. So schloss sich ein Kreis. In den folgenden Jahrzehnten war Reinhardt als Moderator, Reporter und Redakteur beim MDR beschäftigt.
In der Kultursendung „Marlene“ zum Beispiel wöchentlich zu hören. Immer wieder berichtete er über die Kulturpolitik, Theater und Museen in Thüringen, die Erfurter Domstufenfestspiele, über denkmalgeschützte Bauten und politische Ereignisse. Im Buch ist zu lesen, was sich im öffentlichen rechtlichen Rundfunk in den Jahren alles veränderte und zu überdenken wäre. Über Freunde ist zu lesen und über sachliche Kritik und über ein Lebensresümee, das eben vom Zweifel bestimmt war und ist.
„Der Zweifel war mein bester Freund“ von Andreas Reinhardt
Erschienen 2026 THK-Verlag.
Zu bestellen: beim THK-Verlag, bei Amazon und im Buchhandel: ISBN 978-3-910993-59-4
Autor:Thomas Janda |
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