Vokation: Religionslehrer erhalten Segen
Vom Küchenstudio ins Klassenzimmer
- Stephan Mäurer: Lehrer an der Regelschule in Seebach.
- Foto: Foto: K.-D. Simmen
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Zum Abschluss ihrer Ausbildung werden am 18. September die neuen Religionslehrer für Thüringen in Neudietendorf eingesegnet. Insgesamt können sich 25 Grund- und Regelschullehrer auf ihre Vokation freuen. Michael Riedel, Schulbeauftragter der EKM und Verantwortlicher des Vokationskurses, unterstreicht, dass in Thüringen der Religionsunterricht gut etabliert ist. In den Grundschulen falle keine Stunde aus, in den Regelschulen hingegen noch gelegentlich. Doch das werde auch bald der Vergangenheit angehören. Zu den 25 Lehrkräften gehört Stephan Mäurer.
Von Klaus-Dieter Simmen
Aus Auerbach, wo einst der Streit um einen Maschendrahtzaun ganz Deutschland beschäftigte, zog es ihn nach Dresden. Gymnasiallehrer war sein Studienziel; unterrichten wollte er später Deutsch und Ethik. Letzteres verwehrte ihm der Numerus Clausus. Der Student schwenkte um und begann ein Theologiestudium, das er als Bachelor of Arts abschloss. Den weiteren Weg zum Master gab es in Elbflorenz nicht. Dafür zog Mäurer nach Leipzig. In dieser Zeit wohnte er mit seiner Frau bereits in Eisenach.
Die Thüringische Landeskirche und der frischgebackene Theologe kamen nicht zusammen. „Da musste ich mich beruflich neu orientieren – und fand mich in einem Küchenstudio wieder“, erinnert er sich. Dort führte er Kundengespräche und plante Küchen. Später arbeitete er bei einem Mobilfunkhändler, und schließlich bei einer Zeitarbeitsfirma, wo er Arbeitgeber mit passenden Arbeitnehmern zusammenführte. Als Praktiker wählte er Wege, die sich Vorgesetzten nicht erschlossen, so dass es zur Trennung kam. „Da war für mich klar: Jetzt mache ich ganz etwas anderes“. Stephan Mäurer bewarb sich als Seiteneinsteiger für den Schuldienst. Ein Schritt ins Ungewisse, denn sicher war er sich nicht, ob das sein Weg sein würde.
„Meine Frau ist Lehrerin, ebenso meine Schwiegermutter. Ich wusste, was auf mich zu-kommt – und habe schnell gemerkt: es ist das, was mir Spaß macht.“ Seit Mai 2024 unterrichtet er Geschichte, im September des gleichen Jahres folgte Religion. Trotz seiner Qualifikationen besuchte er Fortbildungen und drückte für zwei Jahre die Schulbank am Studienseminar in Eisenach.
Religion ist ein Wahlfach, auch an der Regelschule „J. Dicel“ in Seebach. Und oft weniger nachgefragt als Ethik. „Bei Elterngesprächen erkläre ich, wie viel wir zu bieten haben. Manche kann ich überzeugen.“ Trotzdem sind die Klassen im Fach Religion klein. Für Mäurer ein Vorteil: „Je weniger Schüler es sind, desto intensiver wird der Unterricht." Das schätze er. "Der Unterricht wird zu einem geschützten Raum. Besondere Anliegen, auch Probleme werden besprochen. Und jeder weiß: Davon wird nichts auf dem Schulhof rumgetratscht, nichts im Lehrerzimmer. Und ich habe das Gefühl, dass das einigen wirklich guttut.“
Autor:Online-Redaktion |
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