Wehe euch Reichen!

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Tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Höchsten sein.
Lukas 6, Vers 35 Predigt

von Sven Baier

Wir digitalisieren unsere Welt für die „Ewigkeit“, während uns der Planet unter den Füßen vergeht. Doch nein, das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen, es beginnt hier und jetzt, und zwar in einer Welt, die nach wie vor durch größte Ungleichheit gezeichnet ist.
Sehr viel stärker als die Bergpredigt akzentuiert die Feldrede des Lukas den Gegensatz von arm und reich, Glauben und Unglauben. Genau daran werden die Geister geschieden werden: „Weh euch Reichen!“ – heißt es wenige Sätze vor dem Predigttext. Wie sollen wir das verstehen? Geht es um eine Neuauflage des „Klassenkampfes“? Gerade nicht! Die Feindesliebe schließt dies aus. Es geht um etwas viel fundamentaleres, nämlich die Frage: Wie entkommen wir gemeinsam der Falle, ja dem Fluch, des Eigentums? Wie kommen wir zum Frieden zwischen Armen und Reichen – und damit zum Frieden im gemeinsamen Haus, der Schöpfung?
Genau darum geht es auch für die Ureinwohner des Amazonasgebietes. Und nirgends wird im Augenblick deutlicher als dort, dass deren Problem unser aller Problem ist. Ihr Schutz ist gleichbedeutend mit der Bewahrung des Regenwaldes. Letztlich geht es um zwei konträre Begriffe von Eigentum. Für unser modernes Verständnis erinnere man sich an Rousseau: „Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.“
Der biblische Begriff aber geht selbstverständlich davon aus, dass alles Eigentum nur von Gott verliehenes Recht ist und an Bedingungen geknüpft, die nicht nur den Schutz der Armen und Schuldner einschließen, hierfür gibt es beispielsweise das Erlassjahr, sondern sogar einen Anspruch auf „Sabbat“ für den Acker.
Es wäre eine völlige Verkehrung, das Evangelium gegen die indigenen Völker zu wenden, die noch dasselbe Unrecht erleiden wie zur Zeit der Conquista, deren Schöpfungsverständnis dem biblischen nahe ist, die zu 90 Prozent Christen sind und dennoch von nicht wenigen westlichen Christen als Heiden bezeichnet werden.
Wenn wir also Lukas predigen, dann nicht ohne die Wehe-Rufe!

Sven Baier, Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Bernburg
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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