Predigt
Nachfolge ohne Netz?
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lukas 9, Vers 62
Ja, früher! Früher war alles besser. Früher war die Welt noch in Ordnung. Alle hatten genug zum Leben, Essen und Trinken und ein Dach überm Kopf.
Von Andreas Müller
Die Jugend hatte noch Respekt vor dem Alter, und die Familie stand im Mittelpunkt. Selbst den Verstorbenen wurde noch die letzte Ehre erwiesen. Ja, früher! Da herrschte noch Zucht und Ordnung.
Mit anderen Worten und Bildern wird das auch so im Predigttext von den drei Nachfolgewilligen angesprochen. Auch sie blicken lieber auf die bekannte Vergangenheit, statt ihren Blick auf die unbekannte Zukunft zu lenken. Es ist ja auch einfacher, stolz auf das bereits Geleistete zu sein, als sich erneut anstrengen zu müssen.
Diesen Vorstellungen und Wünschen aber widerspricht Jesus mit drastischen Forderungen. Seine Bedingungen für die Nachfolge scheinen sie zu überfordern. Wer könnte es übers Herz bringen, sich ohne Abschied von den Seinen diesem Jesus anzuschließen? Wer würde freiwillig auf soziale und wirtschaftliche Sicherheit verzichten, um dem Willen des Gottessohnes zu folgen?
Erst im letzten Vers – dem Wochenspruch – wird dieses Dilemma aufgelöst. Hier erfahren wir, worum es Jesus wirklich geht: Es geht um die Zukunft. Es dreht sich alles um das Reich Gottes.
Der Himmel ist das Ziel – und nicht der Weg! Jesus wendet den Blick aus der Vergangenheit in die Zukunft. Nicht rückwärts blicken, sondern vorwärts schauen sollen sie. Vielleicht wäre es auch für unsere Gemeinden und Landeskirchen ein hilfreicher Blickwechsel. Statt über sinkende Mitgliederzahlen zu klagen und in die Statistiken der letzten Jahrhunderte zu schauen, sollten wir unseren Blick auf das richten, was kommen soll und kommen wird: Das Reich Gottes. Und das ist besser als alles, was früher mal war. Vielleicht werden Generationen nach uns dann auch einmal über unsere Zeit sagen: "Früher, ja früher war alles besser."
Der Autor ist Pfarrer in Gernrode und Rieder.
Autor:Online-Redaktion |

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