Forschungsprojekt
Kirche ohne Argumente
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Unter dem Titel „Militarisierung und Widerstand" stellt am 23. September die Jenaer Arbeitsgruppe um den Münchner Theologieprofessor Christopher Spehr die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes im Thüringer Landtag vor.
Von Doris Weilandt
Schwerpunkte waren die Bausoldaten, Totalverweigerer und Jugendliche im Widerstand gegen die Wehrerziehung, die ab den 1960er-Jahren vorangetrieben wurde. „Es ist hochspannend, wie Christen in der DDR mit dem Thema Militarisierung verknüpft waren“, so Spehr. Die allgemeine Wehrpflicht wurde in der DDR 1962 eingeführt, sechs Jahre nach der Bundesrepublik. Ein gesetzliches Recht auf Verweigerung gab es im Osten nicht.
Ab 1964 bestand die Möglichkeit eines waffenlosen Wehrersatzdienstes als Bausoldat. Vor allem religiöse und pazifistische Beweggründe wurden bei der Weigerung, Dienst an der Waffe zu tun, akzeptiert. Bausoldaten nahmen zivile Aufgaben in militärischen Einheiten wahr. Die Diskriminierungen, die sie erleiden mussten, reichten über ihre Dienstzeit bei der NVA hinaus und schränkten die Möglichkeiten, sich beruflich zu entwickeln, erheblich ein. „Bausoldaten sind eine einmalige Form in der Armee“, erklärt Spehr.
Mehrere Wissenschaftler des Forschungsprojektes untersuchten den christlichen Widerstand und die Reaktionen des Staates. Wehr- und Waffendienstverweigerer spielen eine zentrale Rolle bei der Rechtsverfolgung durch die DDR-Justiz. In den beiden bisher erschienenen Bänden unter dem Titel „Diskriminierung von Christen in der DDR“ ist der zweite ausschließlich Totalverweigerern gewidmet. Umfassend betrachtet wurden die institutionellen Rahmenbedingungen, die einzelnen Phasen der Wehrdienstverweigerung, die Netzwerke der Totalverweigerer und Einzelschicksale. Auch ging es um die Frage, welche Rolle die Kirchen in dem System spielten. In seinem Beitrag „Der ,Thüringer Weg‘ im Kontext der Diskriminierung von Christen in der DDR in den 1960er-Jahren“ zeigt Christopher Spehr die staatsloyale Haltung von Kirchenvertretern mit dem Juristen Gerhard Lotz als zentraler Figur. Landesbischof Moritz Mitzenheim erklärte, dass es Christen nicht grundsätzlich unmöglich sei, Wehrdienst zu tun. Totalverweigerern gab er zu bedenken, dass die Kirche sie nicht vor dem Staat schützen könne: „Wir achten ihre Entscheidung und bleiben Brüder. Sie stehen uns nahe, auch wenn die Lehre der Kirche für ihre Entscheidung zur absoluten Gewaltlosigkeit keine Argumente zur Verfügung stellen kann“.
Der Freistaat Thüringen hat das Forschungsprojekt durch eine Förderung ermöglicht.
Vorstellung des Projekts „Militarisierung und Widerstand. Diskriminierung von Christen in der DDR“: 23. September, 18 Uhr, Thüringer Landtag Wir achten ihre Entscheidung und bleiben Brüder.
Autor:Online-Redaktion |

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