Predigttext
Hoffnungslied der Maria
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes.Lukas 1, Verse 46 + 47
Manchmal versucht das Weihnachtsgedudel um mich herum, das Leid dieser Welt zu übertünchen: meine Sorgen über die beängstigenden politischen Entwicklungen in unserem Land und weltweit über Kriege, Hass und Angst. Aber gelingt das?
Von Susann Küster-Karugia
Lebenswahrheiten verstecken sich in großen Bildern. Sie finden nicht Platz genug in sagbaren Worten, sagt der Theologe Fulbert Steffensky. So ein großes Bild zeichnet der Evangelist Lukas in seinem Lobgesang der Maria.
Maria singt das revolutionäre Lied vom Ende des Hungers und der Kriege, von Gerechtigkeit auf der ganzen Erde. Dieses Lied ist einer der großen Texte der christlichen Überlieferung. Diese Lebenswahrheit von der Hoffnung auf Veränderung der Verhältnisse ist größer als jede menschliche Vorstellungskraft. Sie lobt das Leben, sagt Nein zu Gewalt und Unterdrückung, zu Hunger und Armut. Welche Kraft geht von diesen Worten aus!
Es ist die unbedingte Zuversicht, die sagt: Gott ist nicht bei den Mächtigen zu finden. Gott ist bei den kleinen Leuten. Diese Worte sagen mir: Du musst dich nicht abfinden mit Krieg, Ausgrenzung, mit Egoismus und Gewalt auf Kosten anderer und – für mich besonders im Fokus – Rassismus. Du musst nicht schweigen zu unserer aus den Fugen geratenen Welt.
Ich will mit einstimmen in dieses große Hoffnungslied, will es weiterdenken durch mein Reden und Tun. Und dann sehe ich das Land der Freiheit, wie es Dorothee Sölle in diesem Zusammenhang einmal genannt hat, bekomme Mut, gegen Angst und Verzweiflung anzugehen, und Kraft, mich einzusetzen für eine gerechte Welt – gegen alle Widerstände, Entmutigung und Resignation. Das ist das Geschenk der Weihnacht.
Und so hoffe ich auf Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Eine Hoffnung, die mich davor bewahrt, über die Gegenwart von Hass und Gewalt, Hunger, Diskriminierung und Leid zu verzweifeln. Eine Hoffnung, die mir neuen Mut schenkt. Den Mut von Advent und Weihnachten.
Autor:Online-Redaktion |
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