Halte inne!

Thomas Michael Robscheit, Pfarrer in Kapellendorf und Apolda
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Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Lukas 10, Vers 42

Bibeltexte, die man ungerecht findet, gibt es eine ganze Menge. Mich hat beispielsweise lange Zeit die Geschichte von Martha und Maria geärgert.
Die beiden bekommen Besuch, Maria sitzt da, quatscht mit Jesus und Martha wirbelt derweil in der Küche rum. Ist ihr Ärger da nicht berechtigt? Könnte nicht Maria mal mit anfassen? Viele Hände – schnelles Ende! Dann hätte Martha auch etwas vom Besuch.
Wahrscheinlich haben Sie bei diversen Gelegenheiten schon ähnliche Beobachtungen gemacht; zumindest wenn in Ihrem Herzen auch eine Martha wohnt. Denken Sie an Gemeindefeste: Manche sitzen seelenruhig da, während andere die Arbeit machen. Noch ärgerlicher wird es, wenn sich die Drückeberger aufplustern, so tun, als hätten sie wer weiß was vorbereitet und schmücken sich doch nur mit fremden Federn. Doch das wird der Maria ja gar nicht vorgeworfen. Nur, dass sie rumsitzt, während noch so viel zu tun ist. »Jesus, kannst Du Maria nicht bitten, mir zu helfen?«, Martha stellt diese Frage sicherlich rhetorisch und erwartet ein klares »Ja« oder »Natürlich«.
Falsch gedacht! Jesus nimmt Maria in Schutz. So was Ärgerliches! Und dann verhören wir uns meistens auch noch: »Sie hat das bessere Teil gewählt!« Doch das steht nicht in der Bibel! Jesus wertet nicht die Beschäftigungen der beiden Frauen: Maria hat das gute Teil gewählt, nicht das bessere. Das bedeutet, dass Martha auch das gute Teil gewählt haben könnte; jedenfalls aber nicht das schlechtere.
Unsere Martha-Seele beruhigt sich etwas. Trotzdem ist soviel zu tun. »Ja, Martha, du wirst umgetrieben und sorgst dich um vieles. Du wirst umgetrieben von vielerlei. Du wirst zerrieben von den ganzen Problemen und Anforderungen.«
Ja, möchten wir dann manchmal mit Martha seufzen. So viele Baustellen. Wie soll ich das bloß schaffen? »An einem ist immer nur Bedarf! Und danach erst am nächsten«, könnte Jesus fortfahren. »Nimm dir ein Beispiel an Maria: halte inne, sammle dich, denn auch das ist gut und wichtig. Dann kannst und sollst du weiter machen mit deiner Arbeit und deinem Engagement: es darf auch viel sein, du machst anderen damit Freude und deine Arbeit ist unverzichtbar, auch wenn sie oft nicht richtig gewürdigt wird. Sei Martha, aber vergiß nicht auch die Maria ernst zu nehmen!«
Thomas-Michael Robscheit

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