Predigttext
Eine Atempause

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen. Jeremia 31,31
Von Evelin Franke, Pfarrerin in Hardisleben

Der Monat Mai lädt die Menschen zum Wandern ein. Und wenn schon eine große Wegstrecke geschafft ist, ruft die Bank am Wegesrand zum Verweilen. Der Wanderer blickt zurück auf den Weg. Was war, aus welcher Situation ist er aufgebrochen? Und er schaut nach vorn. Was wird werden? Wann ist er am Ziel? Wird das Ziel so sein, wie er es sich erträumt hat? Ein Blick auf die Uhr mahnt ihn, weiterzugehen.
Der Sonntag Exaudi ist wie eine Atempause auf der Wanderung zwischen den großen Festen Himmelfahrt und Pfingsten. Eine Atempause auf der Wanderung durch das Leben. Eine Zwischenzeit. Was machen wir in der Zwischenzeit? In der Zeit zwischen Aufbruch und Ankunft.
Das Volk Israel befindet sich in einer katastrophalen Situation. Land und Volk sind geteilt, der Tempel ist zerstört. Da meldet sich der Prophet Jeremia zu Wort und verheißt im Namen Gottes eine andere Zeit. Es bleibt nicht so wie es war. Ja, es wird besser und ganz neu. Gott verspricht einen neuen Bund mit seinem Volk zu schließen. Er eröffnet eine neue Aussicht. Doch, was machen wir, bis es so weit ist? Wie gehen wir mit der Zwischenzeit um? Jesus gibt seinen Freunden ein Versprechen: »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.« Und ich möchte den Freunden zurufen: »Ihr müsst nicht mehr lange warten – Pfingsten ist es soweit.« Mit einem Versprechen im Gepäck läuft es sich leichter, weil es mich hoffnungsvoll stimmt. Doch der Weg kann lang sein bis zum Ziel.
Was ist mit uns? Sitzen wir vielleicht schon zu lange auf der alten Kirchenbank und haben den Mut verloren, das zu glauben, was wir bekennen: »… aufgefahren in den Himmel. Von dort wird er – Christus – kommen …«. Wie gestaltet sich mein Weg als Christ zwischen Verheißung und Erfüllung? Es kann schon sein, dass ich beim Wandern auch die Orientierung verliere. Macht es überhaupt noch Sinn, sich auf Gottes Versprechen einzulassen? Ist das zeitgemäß?
Elia war auch einer von den Sinnsuchern. Was er einst unter dem Wacholderbusch erfuhr, als ihn Gott aus lebensmüder Depression in einen hellen Morgen hinein aufbrechen ließ, wiederholt sich für mich immer wieder beim Abendmahl: »Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.«

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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