Rezension
Praktische Hilfe für Kirhengemeinden
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Das ist kein Buch für entspannte Stunden: Die Lektüre fordert heraus und geht zu Herzen. Aber die Publikation ist wichtig, weil sie mit dem Titel „Kirche gegen den Hass“ theologische und praktische Ansätze für Kirchengemeinden vermittelt.
Von Edgar S. Hasse
Ausgehend von der These, dass Gemeinden wichtige Orte seien, „um dem starken Rechtsruck in Gesellschaft, Kirche und Theologe entgegenzutreten“, können sich die Leser in mehr als 40 Beiträgen kundig machen. Dass es einen starken Rechtsruck in Kirche und Theologie gibt, ist eine in dieser Allgemeinheit allerdings unbewiesene Behauptung gleich im Klappentext des Buches.
„Kirche gegen den Hass“ bietet keine methodisch basierte Arbeitshilfe, die Schritt für Schritt Konzepte für Gemeindehandeln entwickeln will. Es ist ein Lese-Buch mit verschiedenen Perspektiven. So geht es im Kapitel „Einführungen“ zum Beispiel um historische Verbindungen von Rechtsextremismus und Kirche (Thorsten Dietz), während im nächsten Abschnitt Andachten und geistliche Worte von Ralf Meister, Kirsten Fehrs oder Heiner Wilmer, inzwischen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, veröffentlicht werden. Die EKD-Ratsvorsitzende Fehrs zitiert Margot Friedländer, um ein probates Mittel gegen den Hass zum Ausdruck zu bringen: „Seid Menschen.“
Spannend sind die im dritten Teil publizierten Berichte über „Praxisprojekte“. Aus diesem Fundus an Erfahrungen können andere Kirchen-gemeinden tatsächlich für ihr eigenes Handeln Anregungen schöpfen. So berichten Elke Rosenthal (Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau) und Frank Hiddemann (Ökumenische Akademie Ostthüringen) von den bis ins Detail geplanten Vorbereitungen eines „Wahlforums“ im Vorfeld der Landtagswahl 2024, zu der auch ein AfD-Vertreter eingeladen war.
Vorsorglich sollte der Organist, „in einer Situation, in der es der Moderator für angebracht hilft, einfach losspielen können“. Am Ende bleibt die Erfahrung, dass es Mut, Risikobereitschaft und einer guten Planung bedarf, um solche Veranstaltungen durchzuführen zu können.
Ein weiterer Erfahrungsbericht dreht sich um die Anstrengungen der Evangelischen Akademien in Thüringen und Sachsen-Anhalt, Menschen unter dem Motto „Bubble Crasher – Raus aus der Filterblase“ den Blick für andere Themen und Argumente zu öffnen. Die Autoren empfehlen, diese Arbeit nicht nur auf die junge Generation zu beziehen. Es müssten auch Erwachsene in den Fokus genommen werden.
„Daher wird das Bubble-Crasher-Konzept seit 2025 für ältere Erwachsene weiterentwickelt“, heißt es. Wer als Kirchengemeinde etwas gegen den Hass in der Gesellschaft tun will, wird im dritten Teil dieses Buches überaus fündig.
Schlauraff, Bettina; Lorberg-Fehring, Sönke (Hg.): Kirche gegen den Hass. Mit dem alltäglichen Rechtsextremismus umgehen. Neukirchener Verlagsgesellschaft, 223 S., 24 Euro, ISBN 978-3-7615-7103-3
Autor:Online-Redaktion |
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