Was Hubertus Heil von den Kirchen erwartet
Engagement gegen Vertrauensverlust

Foto:  epd-bild/Thomas Lohnes

«Eine stumme Kirche ist eine dumme Kirche», sagt der ehemalige SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil und fordert mehr Engagement gegen den Vertrauensverlust in der Gesellschaft. Die Kirche müsse im Lokalen aktiv werden, sagte ein anderer Redner.

Berlin (epd). Der SPD-Politiker Hubertus Heil hat die Kirchen zu mehr Engagement angesichts eines zunehmenden Vertrauensverlusts in der Gesellschaft aufgefordert. Trotz der zunehmenden Säkularisierung in Deutschland komme den Kirchen eine «zentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu», sagte der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der SPD beim Forum Kirche und Politik.

«Ohne Vertrauen ist die Demokratie in Gefahr», sagte der ehemalige Arbeitsminister. Daher wünsche er sich «eine lautere Kirche», die nicht zu gesamtgesellschaftlichen Debatten schweige. Denn «eine stumme Kirche ist eine dumme Kirche», sagte er erneut.

Vielfalt schafft Vertrauen

Um der Zukunftsangst vieler Menschen entgegenzuwirken und wieder Sicherheitsgefühl zu schaffen, ist es laut der Co-Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD, Kerstin Griese, notwendig, die soziale Infrastruktur zu stärken. Sie wies in diesem Zusammenhang auch auf die steigende Zahl psychischer Erkrankungen hin. Zudem forderte sie, die breite Zivilgesellschaft zu stärken, um dem Vertrauensverlust entgegenzuwirken. «Vertrauen kann nur wachsen, wenn es diese Vielfalt gibt», sagte sie.

Auch der Senator für Kultur und Medien Hamburg, Carsten Brosda (SPD), sieht den Schlüssel zu mehr gesellschaftlichem Vertrauen in einer pluralen Gesellschaft. «Widersprüchlichkeiten und Uneindeutigkeiten sind etwas Schönes, weil sie die Welt gestaltbar machen», sagte er. Gerade Kunst und Kultur böten die Möglichkeit, demokratische Prozesse zu erproben und vielfältige Meinungen in einem geschützten Raum zu Wort kommen zu lassen. «Wir sollten uns als Gesellschaft gemeinsam darüber verständigen, wie wir eigentlich leben wollen», sagte er. Derzeit fehle jedoch der Glaube an diese gemeinsame Kraft.

Nora Bossong: Vertrauen braucht konkrete Vorstellungen

Die Schriftstellerin Nora Bossong, die Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, hob hervor, dass Vertrauen nur dann entstehe, wenn sich die Menschen wieder vorstellen könnten, wie «ein gutes Morgen» aussehen könnte. Es reiche nicht aus, nur von Zuversicht zu sprechen. Kirche und Politik müssten den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen konkrete Vorstellungen von einer guten Zukunft geben. Als Beispiel forderte sie von der SPD eine «mutigere Umgestaltung» in der Rentenpolitik, die wirklich allen zugutekommen sollte.

Konkrete Vorschläge, um das gesellschaftliche Vertrauen zu stärken, lieferte der evangelische Theologe Peter Dabrock. Um die Demokratie zu stärken, dürften zivilgesellschaftliche Organisationen nicht geschwächt werden, sagte das ehemalige Mitglied im Deutschen Ethikrat. Er forderte die Kirche auf, auf lokaler Ebene aktiv zu werden. «Das ist der beste Resilienzfaktor» und ein «Gegengift» gegen den Vertrauensverlust, sagte er.

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Online-Redaktion

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