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Lebendschach an der Grenze

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Es gibt Gegenden, da wird seit 500 Jahren Lebendschach gespielt, also Schach mit lebenden Figuren, also echten Menschen. Die Leute haben dann Kostüme an, mimen Läufer, Türme, die beiden Könige und Königinnen und natürlich die Bauern. Ein Spektakel, meist im Freien, ein Fest mit viel Publikum.

Von Ralf-Uwe Beck

So ein Lebendschach gibt es jetzt im Grenzgebiet zwischen Bela-rus und Polen. Die Machthaber in Belarus und Polen spielen die beiden Könige, das Wachpersonal die Türme … nun ja, und afghanische Flüchtlinge sind die Bauern. Lukaschenko treibt sie auf die polnische Grenze zu, also in Richtung EU. Die Polen lassen sie nicht rein, und so wird der Grenzraum zum Spielfeld.

Da im Freien gespielt wird und der Herbst aufzieht, es auch nicht so viel zu essen gibt, werden aus den Bauern eben Bauernopfer. Die Afghanen sind das ja gewöhnt. Zuschauer gibt es auch, die halbe Europäische Union schaut zu. Bloß keine diplomatischen Verwerfungen. Spiel ist Spiel, da mischt man sich nicht ein.

Doch. Denn jedes Spiel braucht Regeln. Der polnische Erzbischof Wojciech Polak hat an die Regel erinnert, die für das Zusammenspiel von Menschen unabdingbar ist: Dobroczynnosc. Das ist polnisch und heißt Nächstenliebe. „Kein Mensch“, sagt er, „gleich welcher Religion oder Herkunft, darf jemals ein Instrument politischen Kampfes sein“, also zur Schachfigur politischer Interessen werden.

Und wo es dennoch passiert, wie jetzt zwischen Belarus und Polen, sollten wir nicht unberührt zuschauen, sondern mit dem Herzen bei den Bauern sein.

Der Autor ist Pfarrer, EKM-Pressechef und im Sprecherteam von "Augenblick mal" beim MDR. 

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