Anderer Job statt Mitleid
Lass Israel wieder lächeln

Tabea und Matthias Oppliger

Müll am Straßenrand, oft neben Abfallbehältern, Papier und Bioabfälle im Restmüll – das ist Realität in Israel.

Von Johannes Zang

Im vergangenen Dezember vermeldete die Bundesgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI), dass hier „immer mehr“ recycelt werde, aber noch zu wenig. Von der Deponieentsorgung zur Kreislaufwirtschaft habe das Land „trotz Fortschritten noch eine weite Strecke vor sich.“ Da lägen, erklärte GTAI, das dem Bundeswirtschaftsministerium untersteht, für deutsche Firmen Geschäftschancen.

Ein Schweizer Ehepaar hat diese längst ergriffen und mit einem sozialen Anliegen verknüpft. Matthias Oppliger verliebte sich bei einem Spontanbesuch 2011 schon beim Landeflug auf Tel Aviv in die Stadt. 2013 wollte sich die Familie einen Eindruck verschaffen und flog ebenfalls hierher. Dort wurde Ehefrau Tabea unfreiwillig Zeugin eines Gesprächs zwischen Zuhälter und Prostituierter. Diese, von ihr spontan gefragt, ob sie zur Arbeit gezwungen werde, bejahte. Tabea Oppliger war klar: „Wir müssen Arbeitsplätze für diese Menschen schaffen.“

Im Jahr darauf verließ das Ehepaar mit drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter die sichere Schweiz. Entschlossen und von ihrer Idee überzeugt, gründeten sie das Sozialunternehmen A.I.R. mit dem Modelabel KitePride. Die Idee: Sportler, Schulen und Sportgeschäfte spenden gebrauchte Kitesurfdrachen oder Yachtsegel, Fallschirme und Neoprenanzüge. Daraus fertigt das israelisch-schweizerische Unternehmen widerstandsfähige und ultra-leichte Rucksäcke, Accessoires und Taschen.

„Die Firma haben wir ausschließlich dazu gegründet, um Arbeitsstellen zu schaffen für Frauen und Männer, welche aus der Zwangsprostitution aussteigen sowie Opfer von Menschenhandel geworden sind“, sagt Matthias Oppliger. Bis zu 14 000 Menschen arbeiten in Israels „Sexindustrie“, hauptsächlich Israelis, aber auch Frauen aus der Ukraine. Das Einstiegsalter der Mädchen liegt im Durchschnitt bei 13 bis 14 Jahren, manche sind erst 11.

Tabea Oppliger hatte schon im Züricher Rotlichtmilieu oft „den Schrei aller Frauen, Männer, Transgender, die als Zwangsprostituierte gearbeitet haben“, zu hören bekommen. Die Botschaft dahinter: „Wir brauchen kein Mitleid, sondern einen anderen Job.“ Doch fehlende Ausbildung, Geldnot oder Schulden genauso wie finanzielle Abhängigkeit, Zwang und Ausbeutung versperren den Ausweg. Eine geregelte Tätigkeit zu finden, erscheint nahezu aussichtslos.

Nadir Shoshani nennt seinen Namen und seine frühere Arbeit „die Hölle.“ Dann kam er zu KitePride. Schon die Erstbegegnung fühlte sich an "wie das Paradies, wie der Garten Eden, die Liebe, die Ermutigung“. Alleine die täglichen Umarmungen beruhigten und stärkten ihn. „Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich liebenswert bin.“

„Make Israel Smile Again!“ – Lass Israel wieder lächeln: Dafür haben die beiden Schweizer alles auf eine Karte gesetzt, trotz Hürden sprachlicher oder bürokratischer Art. Matthias Oppliger gesteht: „Als Nicht-Israeli hier zu leben, ist schon eine sehr große Herausforderung.“ Doch das hält die Schweizer nicht ab. Im Gegenteil. Der 47-Jährige erzählt, dass derzeit 33 Menschen mit Arbeitsvertrag angestellt sind, andere erfolgreich anderswo Anstellung gefunden und damit für Neueinsteiger Platz gemacht haben. In Amsterdam soll ein zweiter Standort dazukommen – die Ideen scheinen dem Ehepaar nicht auszugehen.

„Aus weggeworfenen Drachen machen wir was Wunderschönes“, sagt Tabea Opplinger. Sie sieht eine Parallele zwischen Rohstoff und Personal. „Das ist wie das Leben unserer Angestellten, sie wurden wie Objekte behandelt. Wir geben ihnen eine zweite Chance.“

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Online-Redaktion

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