Viele Spenden für "Brot für die Welt"
Engagiert gegen Armut und Klimawandel

Dagmar Pruin

Elf Millionen Menschen hungern in Afghanistan", sagte die Präsidentin der evangelischen Organisation «Brot für die Welt», Dagmar Pruin, am vergangenen Donnerstag in Berlin. Das Land sei schon seit vielen Jahren auf Hilfe angewiesen, durch Dürre, wirtschaftliche Not und zuletzt auch Corona. Deutschland und der Westen dürften sich jetzt nicht aus Afghanistan zurückziehen und die Menschen dort ihrem Schicksal überlassen. Gemeinsam mit der EU müsse sich die deutsche Regierung dafür einsetzen, dass die neuen Machthaber Zugang zu Notleidenden gewähren, so Pruin weiter.

«Brot für die Welt» legte in der vergangenen Woche seinen Jahresbericht vor. Das Hilfswerk unterstützt nach eigenen Angaben rund 1800 Projekte weltweit mit Schwerpunkten in Afrika, Südamerika und Asien. Aus aktuellem Anlass wurde auch die Situation in Afghanistan thematisiert. Dort ist das Hilfswerk selbst nicht aktiv, allerdings die Schwesterorganisation «Diakonie Katastrophenhilfe».

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hatte die Bundesregierung die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Land ausgesetzt. Nach dem Vormarsch der Islamisten beschloss sie außerdem, auch Helfer deutscher Entwicklungsorganisationen auszufliegen. Die späte Entscheidung zur Evakuierung rechtfertigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am vergangenen Mittwoch im Bundestag mit dem «Dilemma», dass man das Land nicht habe im Stich lassen und die Entwicklungsarbeit habe fortsetzen wollen. Pruin forderte eine schonungslose Aufklärung über die Fehleinschätzung der Lage in Afghanistan, die zur nun dramatischen Situation geführt hat.

Für gute Nachrichten sorgt indes die Spendenbereitschaft für die Organisation im vergangenen Jahr. Im Jahr der Corona-Pandemie wurde ein Spendenrekord eingefahren. Insgesamt gingen 76,8 Millionen Euro an Spenden und Kollekten ein, 12,4 Millionen Euro mehr als 2019. Das Jahresergebnis für 2020 enthält allerdings auch die Weihnachtskollekten aus dem Jubiläumsjahr 2019, als das Hilfswerk 60. Geburtstag feierte. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Weihnachtsgottesdienste 2020 größtenteils abgesagt. Bei den Kollekten, die erst im Jahresbericht für dieses Jahr einfließen werden, rechnet das Hilfswerk Pruin zufolge mit deutlichen Einbußen in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags.

Von der künftigen Bundesregierung forderte «Brot für die Welt» außerdem einen engagierteren Kampf gegen den Klimawandel und die Armut in der Welt. Alle politischen Ressorts müssten einen Beitrag zum sozial-ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen, sagte Pruin. Die Menschen in armen Ländern, die den Klimawandel nicht verschuldet hätten, litten am meisten unter den Folgen durch den Verlust von Land und daraus resultierendem Hunger.

Zudem sprach sie von einer Verschärfung von Armut und Elend durch die Corona-Pandemie. Durch die Reduzierung von Behandlungsprogrammen während des Lockdowns sei etwa bis 2025 mit bis zu 1,4 Millionen zusätzlichen Tuberkulose-Toten zu rechnen.

Pruin forderte auch eine Ausweitung der Produktion von Covid-19-Impfstoffen. Während in Deutschland über die dritte Impfung geredet werde, seien in Afrika noch nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung geimpft. Sie verlangte auch eine Abgabe von Impfdosen an ärmere Länder. Deutschland hat nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bislang 3,7 Millionen Impfstoffdosen an die Initiative Covax abgegeben, die die Mittel an ärmere Ländern verteilt. (epd/red) Das Hilfswerk "Brot für die Welt" verzeichnet für 2020 so viele Spenden wie nie zuvor in seiner Geschichte. Bei der Vorstellung des Jahresberichts forderte die Organisation, dass sich die Bundesregierung für humanitäre Zugänge einsetzt.

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Online-Redaktion

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