Fragen und Antworten
Wie das Ehrenamt die Resilienz stärkt

Foto: epd-bild / Klaus G. Kohn

Ob Schöffe, Einsatz für die Lebensmittel-Tafel, Lesepate in der Grundschule oder Arbeit in der Kirchengemeinde: Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen. Ihnen ist der «Internationale Tag des Ehrenamts» gewidmet.

Von Julia Pennigsdorf

Hannover/Berlin (epd). Ehrenamtliche arbeiten freiwillig und unentgeltlich für die Gesellschaft, ihre Unterstützung ist in vielen Bereichen nicht wegzudenken. Sie selbst finden in ihrer Tätigkeit oft Selbstwirksamkeit, Sinnhaftigkeit und Spaß. Ein Blick auf eine
Win-Win-Situation:

Wie viele Ehrenamtliche engagieren sich in Deutschland?

Nach Angaben des im November erschienenen Freiwilligensurveys des Bundesfamilienministeriums engagierten sich 2024 bundesweit rund 27 Millionen Menschen ehrenamtlich. Das sind rund 37 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Über die vergangenen Jahrzehnte ist die Ehrenamtsquote gestiegen. 1999 waren rund 31 Prozent der Bevölkerung ehrenamtlich tätig. Das Freiwilligensurvey dokumentiert seit rund 25 Jahren die Entwicklung des Ehrenamts in Deutschland.

Wie viel Zeit investieren ehrenamtlich Tätige?

Insgesamt hat das Engagement gegenüber der letzten Erhebung 2019 zwar leicht abgenommen, dafür investieren die Menschen wieder mehr Zeit in ihre freiwillige Tätigkeit. Die Hälfte der ehrenamtlichen Tätigen engagiert sich mindestens einmal die Woche, ein Viertel der Freiwilligen gibt an, drei bis fünf Stunden wöchentlich für ihr Ehrenamt aufzuwenden, jeder fünfte Freiwillige arbeitet sogar sechs oder mehr Stunden freiwillig.

Wer engagiert sich?

Freiwilliges Engagement ist bei jüngeren Menschen am höchsten. Von den 14- bis 29-Jährigen sind 39,9 Prozent und von den 30- bis 49-Jährigen 40,4 Prozent freiwillig engagiert. Bei den 50- bis 64-Jährigen beträgt der Anteil 37,6 Prozent und bei den 65- bis 75-Jährigen 36,9 Prozent. Erst in der Altersgruppe ab 75 Jahren nimmt das Engagement merkbar ab, es liegt in dieser Altersgruppe bei rund
21 Prozent.

Frauen und Männer sind gleich häufig gesellschaftlich engagiert. Unterschiede gibt es im Bildungsniveau: Je höher die Schulbildung, desto höher der Anteil der Engagierten. Die Engagementquote bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei über 28 Prozent. Menschen auf dem Land engagieren sich etwas häufiger als Städter.

Welche gesellschaftlichen Bereiche werden durch den Einsatz gestärkt?

Ob Feuerwehr, Hospizarbeit oder Engagement fürs Klima: Es gibt kaum einen Bereich in der Gesellschaft, der ohne Ehrenamtliche auskommt. Am häufigsten engagieren sich die Menschen mit 12,8 Prozent beim Sport, in Vereinen, etwa als Trainer, Betreuer oder Schriftführer. An zweiter Stelle liegt mit 7,9 Prozent soziales Engagement - in der Nachbarschaftshilfe, für Geflüchtete oder Senioren. 6,3 Prozent der Menschen engagieren sich für Kultur und Musik, etwa im Chor, Theater oder in der Denkmalpflege, weitere sechs Prozent arbeiten unentgeltlich in der Schule oder Kita. An fünfter Stelle des Engagements liegt die Kirche: 5,6 Prozent der Menschen engagieren sich in ihrer Gemeinde, etwa als Kirchenvorstand, Lektor oder Prädikant.

Was bringt das Ehrenamt der Gesellschaft?

Ehrenamt sei der Motor der Demokratie, schreibt das Bundesinnenministerium auf seiner Homepage: Die Engagierten brächten Menschen zusammen und gestalteten die Gesellschaft. «Das Ehrenamt verdient großen Respekt.» Das sieht auch Susanne Briese so. Die Landespastorin für Ehrenamtliche der Landeskirche Hannovers sagt, das Ehrenamt sei für die Gesellschaft «unglaublich wichtig». Der Austausch mit anderen Menschen, die Abstimmung im Team, die Übernahme von Verantwortung, das Einhalten von Vereinbarungen - all das stärke die Demokratie.

Wie wirkt sich ihr Engagement auf die ehrenamtlich Tätigen selbst aus?

Gerade angesichts der Polykrisen auf der Welt habe das Ehrenamt einen positiven Aspekt auf die Ausübenden, ist Briese überzeugt. «Es zeigt den Menschen, dass sie nicht ohnmächtig und hilflos sind, sondern etwas gestalten und zum Positiven verändern können - das stärkt die Resilienz», sagt sie. Den meisten Menschen seien drei Dinge beim Ehrenamt wichtig. «Sie wollen etwas Sinnvolles tun, Spaß haben und in einem guten Team tätig sein - Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle.»

Was sollten Menschen beachten, wenn sie sich engagieren möchten?

Zwei Fragen sollen sich Briese zufolge Interessierte vorab stellen: Wie viel Zeit möchte ich investieren und welche Tätigkeit interessiert mich? Die Menschen sollten sich nicht nur fragen, was sie gut können, sondern vor allem, was sie tun möchten. «Das kann etwas anderes sein, als der Beruf.» Ein Ehrenamt könne einen Ausgleich zum Job bieten und ein Impuls für Dinge sein, die einen schon immer interessiert haben, aber im Berufsleben zu kurz gekommen sind.

Was hat sich im Ehrenamt im Laufe der Jahre verändert?

Selbstbestimmte, projektorientierte Tätigkeiten ohne längerfristige Bindungen liegen Briese zufolge besonders bei Berufstätigen im Trend - Events etwa, Veranstaltungen, Aktionen, die man mit vereinten Kräften in wenigen Wochen oder Monaten auf die Beine stellen könne. Eine Erzählbank gegen Einsamkeit beispielsweise. «So etwas ist ein sinnvolles und zeitlich überschaubares Projekt, das Engagierte bis zu Ende führen können, auch wenn sie beruflich und familiär sehr eingespannt sind.»

Dass engagierte Menschen gelassener, zufriedener und resilienter sind, bestätigt auch eine Studie des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die das Kölner Rheingold Institut erstellt hat. Die Studie mache deutlich, wie essenziell Engagement für die Gesellschaft ist, sagt Stephan Grünewald, Gründer des Instituts. «Es unterstützt nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern bereichert auch die Engagierten.»

Autor:

Online-Redaktion

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