Interview: EKM-Finanzdezernentin Barbara Füten
Auge um Auge, Zahl um Zahl
- Stefan Große und Barbara Füten
- Foto: Willi Wild
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Die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat Barbara Füten zur neuen Finanzdezernentin im Landeskirchenamt gewählt. Die 56-jährige Kauffrau aus Düsseldorf bei der Tagung des Kirchenparlaments in Kloster Drübeck in Sachsen-Anhalt im dritten Wahlgang als einzig verbliebene Kandidatin 70 von 85 möglichen Stimmen. Willi Wild hat nach der Wahl mit ihr gesprochen.
Was war das für ein Gefühl, als Sie im dritten Wahlgang zur Finanzdezernentin gewählt worden sind?
Barbara Füten: Erst einmal war ich total erleichtert und habe mich über die insgesamt hohe Zustimmung gefreut. Die ersten beiden Wahlgänge haben mich nachdenklich gemacht, ob ich die kaufmännische Buchführung in meiner Vorstellung zu sehr in den Vordergrund gestellt habe. Da habe ich aber die Abstimmung nicht persönlich, sondern eher thematisch wahrgenommen.
Wie gut kennen Sie die finanzielle Situation der Landeskirche?
Ich kenne die Eckpunkte. 100 Millionen Euro Kirchensteuern und dann noch mal hälftig, fünfzig-fünfzig, Staatsleistungen und EKD-Finanzausgleich. Ich bin aber noch nicht in jedes Detail, vor allem in Kirchenkreisen und Gemeinden, eingestiegen. Da gibt es Zuweisungen nach Personalstellen im Verkündigungsdienst; aber was jetzt eine Gemeinde an Erträgen behalten darf und was sie abgeben muss, ist doch sehr komplex. Das werde ich mir genauer anschauen müssen.
Die finanzielle Situation der Landeskirche hat sich verschlechtert, wie im Bericht aus der Landeskirche deutlich geworden ist. Es geht zukünftig eher darum, den Mangel zu verwalten. Wie kann das aussehen?
Ich sehe es nicht nur als meine Aufgabe an, sondern als Gesamtaufgabe des Landeskirchenrates. Es ist eine strategische Frage, wo die vorhandenen Ressourcen eingesetzt werden sollen. Meine Aufgabe ist es, gewissenhaft zu schätzen, wieviel uns wirklich zur Verfügung steht. Nur mit dieser Summe können wir planen. Da müssen dann unter Umständen die Aufgaben anders priorisiert werden.
Ich sehe in der Änderung der Struktur einen großen Schlüssel. Es hat mich überrascht, wie viele Änderungen hier bereits existieren, beispielsweise die Kirchenkreis-Reform. Das kenne ich aus dem Rheinland so noch nicht. Die Einsparungen die da erzielt werden, können in die inhaltliche Arbeit fließen.
Sie kommen aus der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Welche Unterschiede zur EKM konnten Sie schon ausmachen?
Kirchlich betrachtet ist die Finanzverfassung eine andere als im Rheinland. Die Relation von Gemeindegliedern zu Kirchengebäuden unterscheidet sich. Die Einwohnerdichte ist ganz anders. Die Entfernungen bin ich gewohnt, die beiden Landeskirchen sind ja etwa gleich groß.
Werden Sie Ihren Lebensmittelpunkt verlagern.
Ja, mein Mann und ich werden nach Erfurt ziehen.
Sie haben nach Ihrer Wahl den alttestamentlichen Rechtssatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zitiert. Was wollten Sie damit sagen?
Als Finanzdezernentin werde ich der Synode nicht nur bequeme Vorschläge unterbreiten können, sondern das, was notwendig ist. Und so war das auch bei der Vorstellungsrunde. Die Synode hat den Kandidaten „auf den Zahn“ gefühlt, um das beste Ergebnis zu erreichen, und so werde ich es umgekehrt auch tun.
Wie haben Sie die Landessynode erlebt?
Ich habe die Synode als sehr freundlich, umgänglich und zugewandt erlebt. Der Eröffnungsgottesdienst und die Abendandacht haben mich sehr bewegt. Das habe ich als gutes Zusammenspiel empfunden.
Sie haben auch ein Theologiestudium absolviert.
Ja, ich habe an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal Theologie studiert und letzten Herbst den Master of Theological Studies erworben.
Ihnen geht es also nicht nur um die Finanzen, sondern sehen Ihre Aufgabe auch mit einem theologisch-geistlichen Blick?
Genau. Aber ich lebe und arbeite als Christin ja tagtäglich mit diesem Blick,, egal ob ich Theologie studiert habe oder nicht.
Autor:Online-Redaktion |
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