Schorlemmer-Führer-Freundeskreis
Kleine neue Friedensbewegung

Sebastian Krumbiegel (l.) und Hubert Weiger bei der Auftaktveranstaltung in Wittenberg  | Foto: Willi Wild
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  • Sebastian Krumbiegel (l.) und Hubert Weiger bei der Auftaktveranstaltung in Wittenberg
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Eine neu gegründete Initiative will die Leitthemen der beiden verstorbenen ostdeutschen Theologen und Bürgerrechtler Christian Führer und Friedrich Schorlemmer weitertragen.

Von Willi Wild

Lutherstadt Wittenberg. „Es ist wieder wie früher“, so einer der über 100 Interessierten im großen Malsaal der Cranach-Höfe in Lutherstadt Wittenberg. Die Vorstellung des neu gegründeten „Christian Führer & Friedrich Schorlemmer-Freundeskreises“ hatte etwas von einem Klassentreffen Engagierter des Konziliaren Prozesses. Viele kannten sich aus früheren Zusammenhängen. Dabei waren nicht nur Teilnehmer von DDR-Friedensgruppen in die Lutherstadt gekommen. Von über 30 Orten in Ost und West reisten sie an, wie der Ehrenvorsitzende des BUND, Hubert Weiger, der betonte, dass ihn eine jahrzehntelange Freundschaft mit Schorlemmer verband.

Der 78-jährige rief auf, zu handeln, anstatt zu lamentieren. Das Beispiel der Friedlichen Revolution könne Kraft und Stärke geben, sich weiterhin für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. „Wir dürfen nicht nachlassen, für die Demokratie zu kämpfen und dafür auf die Straße zu gehen“, so der Naturschützer. Schließlich sei es in der Demokratie gelungen, Verbesserungen für die Umwelt zu erzielen.

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, sagte, es sei wichtig, "das Feuer am Brennen zu halten" und zu schauen, wie es um die Gerechtigkeit, den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung bestellt sei. Es sei notwendig, weiter zu diskutieren und sich in die Gesellschaft einzubringen, sagte Kramer als Weggefährte Schorlemmers und EKD-Friedensbeauftragter.

Christian Führer (1943-2014) war 28 Jahre Gemeindepfarrer an der Leipziger Nikolaikirche und einer der Gründerväter der Stiftung Friedliche Revolution. Der Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer (1944-2024) war rund 30 Jahre als Dozent und Studienleiter in Wittenberg tätig und gehörte dem Kuratorium der Stiftung an.

Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) sagte, die Beschäftigung mit den Lebensthemen von Schorlemmer und Führer sei nicht nur ein "Blick nach hinten". Die Themen, für die sich die beiden zu ihren Lebzeiten eingesetzt hätten, seien "heute Kernthemen, die wir jeden Tag in den Nachrichten sehen". Beide seien mit ihrer Sprache sehr wirkmächtig gewesen, sagte Zugehör weiter. Dies sei in der heutigen Zeit besonders wichtig, wo vieles verroht und verkürzt dargestellt werde.

Sebastian Krumbiegel, der Sänger der Band "Die Prinzen", umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Er unterstütze den Freundeskreis, denn "beide Männer waren gewaltlose Kämpfer: Klar in der Sache, nicht verletzend." Sie hätten sich für die die "alte Lady" Demokratie eingesetzt, "die gerade ganz schön unter Beschuss steht". Krumbiegel setzte sich oft an der Seite von Christian Führer für eine offene Gesellschaft und gegen rechtsextreme und rechtsextremistische Bedrohungen ein.

Uta Schorlemmer, Tochter des Wittenberger Ehrenbürgers, betonte, dass es Aufgabe des Freundeskreises sei, das gewaltlose Streiten gegen Ungerechtigkeit, für eine friedlichere Welt und gegen die Zerstörung der Schöpfung an junge Menschen weiterzugeben. Katharina Köhler, Tochter von Christian Führer, zitierte ihren Vater, der der Überzeugung war, dass die Friedliche Revolution nicht zu Ende sei. Aus dem Freundeskreis, so ihr Wunsch, solle eine „kleine neue Friedensbewegung“ werden.

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Willi Wild

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