Kirche und Diakonie
Abschied vom christlichen Krankenhaus

Foto: KANGWANS - stock.adobe.com

Konfessionelle Krankenhäuser: Die Vertreter kirchlicher Einrichtungen unter dem Dach von Diakonie und Caritas in Mitteldeutschland treffen sich jedes Jahr bei Leipzig zum Austausch.

Von Willi Wild

Die Pfeifferschen Stiftungen wurden 1889 von Superintendent Gustav Adolf Pfeiffer in Magdeburg gegründet, basierend auf dem christlich-diakonischen Ansatz, kranke und hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Aus dem ursprünglich kleinen Johannes-Stift entwickelte sich ein großer Komplex mit Krankenhäusern, Werkstätten und Wohnangeboten für Menschen mit Einschränkungen.

Die diakonische Ausrichtung der Stiftung war prägend. Die Pfeifferschen Stiftungen waren die größte sozial-diakonische Einrichtung Sachsen-Anhalts. Nach einer wechselvollen Geschichte, die auch eine Enteignungsgefahr im Jahr 1953 umfasste, wurden die medizinischen Einrichtungen der Stiftungen seit August in das Universitätsklinikum Magdeburg integriert. Das Pfeiffersche Krankenhaus ist Geschichte und das Insolvenzverfahren abgeschlossen.

Wenn sich am 24. September die Vertreter der kirchlichen Krankenhäuser in Mitteldeutschland zu ihrer alljährlichen Konferenz im Kongresszentrum am Leipziger Flughafen treffen, werden einige, die in den vergangenen Jahren mit dabei waren, fehlen. Die Landschaft der konfessionellen Krankenhäuser lichtet sich. Für Christoph Stolte, den Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Mitteldeutschland, ist das kein Mysterium.

„Kirchliche Krankenhäuser stehen unter einem großen Druck, der politisch gewollt ist“, so der Oberkirchenrat. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien derzeit so schwierig, dass de facto alle Krankenhäuser defizitär arbeiteten. Allerdings könnten die kommunalen und Landes-Krankenhäuser ihr Defizit über den Steuerzahler ausgleichen. Diese Möglichkeit hätten Caritas und Diakonie für die freien gemeinnützigen Häuser nicht. Stolte bedauert diese große Ungleichbehandlung.


"Kirchliche Krankenhäuser stehen unter einem großen Druck, der politisch gewollt ist."

Ein Insider, der nicht genannt werden will, ist überzeugt, dass die konfessionellen Krankenhäuser mit der Zeit allmählich verschwinden werden. Zumal gebe es heute bereits in Mitteldeutschland Einrichtungen, die nur noch dem Namen nach christliche Häuser seien. Andere sind sang- und klanglos verschwunden oder Anstalten des öffentlichen Rechts geworden, also von Kommunen oder landeseigenen Häusern übernommen worden. „Wir bedauern es sehr, dass christliche Krankenhäuser mit einer zum Teil sehr langen Tradition nicht weitergeführt werden können“, beklagt Christoph Stolte die Situation.

Der Kern diakonischer Arbeit gehe nicht gänzlich verloren, aber es werde schwieriger. Auch wenn es gelänge, ein geistliches Profil und die Krankenhausseelsorge aufrechtzuerhalten, sehe er ein anderes Manko. Denn es gebe dann auch kein christlich geprägtes Krankenhaus-Management mehr. „Andere Parameter der Krankenhaussteuerung, die nicht der christlichen Wohlfahrt entsprechen, rücken in den Vordergrund.“ Was er damit meint: Es gehe nur noch um finanzielle Gesichtspunkte, der diakonische Ansatz bleibe auf der Strecke.

Kirche und Diakonie könnten hier auch nicht gegensteuern, weil die finanziellen Ressourcen fehlen, um die Defizite, die politisch gewollt seien, auszugleichen. Deshalb erneuert die Diakonie ihre Forderung an die Bundesregierung, endlich eine Krankenhaus-Reform zu schaffen, die die Standorte der Krankenhäuser sichert und eine auskömmliche Finanzierung bei guter Qualität gewährleistet. „Ansonsten werden die freien gemeinnützigen Häuser in die Insolvenz getrieben“, so der mitteldeutsche Diakonie-Chef.

Nach den Recherchen der Kirchenzeitung gibt es auf dem Gebiet der EKM 13 evangelische Krankenhäuser. Die größten Einrichtungen sind das Ökumenische Hainich Klinikum in Mühlhausen und das Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar mit jeweils knapp 550 Betten. Auf dem Gebiet der Landeskirche Anhalts gibt es kein kirchliches Krankenhaus mehr, seitdem das Krankenhaus der Anhaltischen Diakonissenanstalt (ADA) in städtische Trägerschaft überführt wurde.

Zur Diakonie Sachsen gehören elf evangelische Krankenhäuser. Mit 300 Plätzen sind die Zeisigwaldkliniken Bethanien in Chemnitz, gefolgt vom Evangelischen Diakonissenkrankenhaus Leipzig mit 250 Betten, die größten konfessionellen Häuser in Sachsen. Darüber hinaus betreibt die Caritas im Bistum Dresden-Meißen das Krankenhaus St.-Marien in Dresden, eine Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie.  Eingebunden in den Elisabeth Vinzenz Verbund ist zudem das St. Joseph-Stift in Dresden. Das katholische Krankenhaus verfügt über eine eigene medizinische Berufsfachschule und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität Dresden.

Das Eichsfeld Klinikum in Heilbad Heiligenstadt, das Katholische Krankenhaus in Erfurt und das Fachkrankenhaus „St. Elisabeth“ in Lengenfeld gehören zur Caritas im Bistum Erfurt. Daneben ist die Caritas auch noch Mitgesellschafter beim „St. Georg Klinikum Eisenach“ und dem Ökumenischen Hainich Klinikum in Mühlhausen. Die Caritas im Bistum Magdeburg teilte mit, dass es keine klassischen Caritas-Krankenhäuser in ihrem Bereich mehr gebe, lediglich Beteiligungen am Marienstift Magdeburg und dem Elisabeth-Krankenhaus Halle sowie am „St.-Joseph-Krankenhaus“ in Dessau.

Heilung statt Effizienz
Autor:

Willi Wild

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.