Seelsorge
Polizeipfarrer sieht öffentlichen Druck auf die Beamten wachsen

Landespolizeipfarrer Jochen M. Heinecke
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Bei dem ökumenischen Landespolizeigottesdienst am 26. November in Erfurt wird der in diesem Jahr verstorbenen Polzisten gedacht. Jochen M. Heinecke weiß um die besondere Situation der Einsatzkräfte in der Pandemie. Beatrix Heinrichs hat mit dem Landespfarrer für Polizei- und Notfallseelsorge in Thüringen gesprochen.

Mit welchen Themen kommen die Thüringer Polizisten und Einsatzkräfte zu Ihnen?
Jochen M. Heinecke:
Es sind nach wie vor die alten Sorgen, die Menschen – also auch Polizeibeamte – umtreiben: Wie kann ich mit einer schwierigen Situation umgehen? Was hilft mir, die Erfahrung von Leid, Tod und Gewalt auszuhalten? Was stärkt mich in meinem privaten Umfeld? Hinzu kommt eine neue Verunsicherung: Welche Rolle habe ich als Polizistin und als Polizist in einer sich verändernden Gesellschaft? Es wird vermehrt von Missachtung, von Beleidigung und von Gewalt gegen Polizisten gesprochen. Es wird öffentlich gesprayt, geschmiert und gepostet, in Frage gestellt und angeklagt. Beamte arbeiten unter einer immer schamloser werdenden Beobachtung. Da wird ein Stück berechtigte Transparenz dabei sein. Dennoch verunsichert und beschwert es die Menschen bei der Organisation – vor allem die, die sich bemühen, ausgewogen und differenziert zu entscheiden.

Inwieweit ist die Polizeiseelsorge vor dem Hintergrund der Corona-Krise besonders gefordert?
Zahlreiche Veranstaltungen, Seminare und Sitzungen werden mit Engagement in einem Netzwerk von Seelsorge vorbereitet. Dann muss doch wieder abgesagt und umgeplant werden. Das kostet Kraft. Hier der Müdigkeit zu widerstehen, ist nicht einfach. Eigentlich ist die Unverfügbarkeit von Planung christliches Welt- und Lebensverständnis. Das zu akzeptieren und zu kommunizieren in einer ganz anders ausgerichteten Organisation, ist weder für Seelsorger noch für Beamte leicht.

Die Polizei sieht sich derzeit inmitten einer kritischen Debatte. Was kann die Polizeiseelsorge in dieser angespannten Situation tun?
Wem alles zu viel wird, der stellt das Denken ein. Manch einer nimmt Zuflucht bei den einfachen und nicht überprüfbaren Antworten. Persönliche Erzählungen ersetzen ein reflektiertes Weltbild. Hier sehe ich meine Aufgabe, in allem die Differenzierung auszuhalten. Das ist schwer, weil der Wind ins Gesicht bläst. Von Staatspräsidenten bis hin zu reisenden Demagogen ist die Verbreitung einer Schwarz-Weiss-Weltsicht üblich geworden.
Was aber dient der Erhaltung der Würde und Freiheit des Menschen und damit dem Lob Gottes in dieser Welt? Das sind die Fragen, mit denen sich viele Polizisten mühen. Es müssen immer wieder aus der Vielzahl der Perspektiven die jeweils gültigen Antworten gefunden werden. Dafür versuchen wir in der Sorge um und für die Seele Freiräume zu schaffen. Nachgefragt

Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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